Ärztekammer stellt Forderungen an Politik vor
Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, appellierte wegen des Anstiegs von Masern-Fällen für ein verändertes Bewusstsein in der Bevölkerung.

Einer der Schwerpunkte ist der Erhalt des Versicherungssystems mit der Wahlfreiheit der Patienten für die private Krankenversicherung (PKV). „Ich möchte aber Veränderungen bei der PKV. So bin ich für bessere Wechselmöglichkeiten innerhalb der Kassen und die Abschaffung der Gesundheitsuntersuchung“, sagte Windhorst. Vereinzelt würden Kassen jetzt bereits darauf verzichten.

Zu dem Forderungskatalog zählen auch ein Bürokratieabbau in der Medizin und schnelle Maßnahmen gegen den Ärztemangel.

Nach dem Anstieg von Masern-Infektionen in den vergangenen Monaten appellierte der Ärztepräsident für ein verändertes Bewusstsein in der Bevölkerung: „Es kann nicht sein, dass wir durch ideelle Weltanschauungen die Gesundheit von Kindern gefährden, wenn jemand ungeimpft und krank im Wartezimmer jemand anderen ansteckt.“ Windhorst sprach sich für eine Impflicht aus, glaubt aber nicht, dass dies politisch durchsetzbar ist.

Bahr: Impfpflicht nur letztes Mittel

Trotz gehäufter Masern-Fälle in Deutschland plant Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) derzeit keine Impfpflicht. Das könne nur das letzte Mittel sein, sagte Bahr Medienberichten zufolge. Es bleibe aber bei dem Ziel, „die Masern bis 2015 in Deutschland besiegt zu haben“. Es gelte noch, Impflücken schnell zu schließen.

Sein Ministerium prüfe dazu Änderungen beim Infektionsschutzgesetz, sagte Bahr. Konkret gehe es darum, den Impfstatus schon vor dem Besuch einer Kindertagesstätte zu erfassen. „Es ist verantwortungslos dem eigenen und anderen Kindern gegenüber, wenn sich Eltern gegen die Impfung entscheiden“, kritisierte Bahr. Das Risiko von Impfschäden sei „weit geringer als die Gefahren durch eine Erkrankung“.

Auffällige Masern-Ausbrüche

In Erftstadt bei Köln bleibt eine Waldorfschule geschlossen, nachdem dort mehrere Schüler an Masern erkrankt waren. Auch in Berlin und Bayern gab es in diesem Jahr bereits auffällige Masern-Ausbrüche. Experten warnen davor, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen.

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