Als auf Münster ein Bombenhagel niederging
Bild: Stadt Münster
Blick von oben auf ein Trümmerfeld: Nach der Bombardierung vom 10. Oktober 1943 war Münsters Altstadt zu großen Teilen zerstört.
Bild: Stadt Münster

Es war die verheerendste Bombardierung, die die Münsteraner während des Zweiten Weltkriegs erleben mussten. Die Statistik packt sie in nüchterne und doch erschreckende Zahlen: Um 15.03 Uhr begann der Bombenhagel, in 20 Minuten ließen mehr als 100 amerikanische Kampfflugzeuge fast 23.000 Bomben auf das Zentrum niederprasseln.

Angriff mit meisten Todesopfern

Mehr Sprengkörper gab es bei späteren Angriffen, aber nie mehr so viele Todesopfer. 670 Menschen, darunter 473 Zivilisten, wurden nach offiziellen Angaben getötet.

Familien beim Sonntagsspaziergang, Kinobesucher, flanierende Gäste aus dem Umland – als sich die sogenannten „Fliegenden Festungen“ mit jeweils mehr als fünf Tonnen Bomben im Bauch vom Ruhrgebiet aus Münster näherten, war das Zentrum sehr belebt.

Erstmals wurde das Aegidiiviertel zum Ziel eines Bombenangriffs. Bild: Stadtmuseum/Sammlung Hülsbusch

Viele Menschen nahmen den Alarm zunächst nicht ernst, erinnert sich ein Soldat, der den Angriff miterlebte. „Was dann aber kam, war furchtbar, es war ein Inferno, wie ich es bis dahin auch als Frontsoldat noch nicht erlebt hatte“, heißt es in seinem Augenzeugenbericht. Hans Galen, ehemaliger Direktor des Stadtmuseums Münster, hielt ihn in seinem 1983 herausgegebenen Buch „Bomben auf Münster“ fest.

Dort findet sich auch der Bericht eines damals 16-jährigen Jungen. Er überlebte den Angriff nur wenige Meter vom Erdbunker am Marienplatz entfernt – der Bunker selbst wurde völlig zerstört. „Es war strahlender Sonnenschein und ich sah, wie sich in einiger Entfernung die Schächte der Flugzeuge öffneten, dann gab es nur noch ein fürchterliches Rauschen.“ Er selbst musste wenig später helfen, die Toten wegzuräumen, lief dann aber davon und kam „sehr angekratzt und blutverschmiert (...) nach Hause zur Wolbecker Straße“.

Erstmals Prinzipalmarkt bombardiert

Erste Häuser auf dem bis dato noch unbeschadeten Prinzipalmarkt, ganze Straßenzüge im Aegidiiviertel, mehrere Schulen, das Mutterhaus der Clemensschwestern, der Dom – die Liste der am 10. Oktober zerstörten Gebäude ist lang.

Vermisste zu finden, war besonders schwierig. Da so viele Menschen draußen unterwegs waren, gab es für die Suche kaum Anhaltspunkte. „Schutzlos einem Bombenangriff ausgesetzt“ seien Frauen und Kinder gewesen, erinnert sich der Soldat. „Mehr als bisher“ sei ihm klar geworden „dass der Krieg (...) nicht mehr siegreich beendet werden kann“.

Das Bombardement Münsters am 10. Oktober 1943, einer von 102 Luftangriffen auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, schockierte im Vorfeld auch die Angreifer. Als der Navigator der 95. US-Bombergruppe hörte, dass Zivilisten Ziel des Bombenhagels am nächsten Tag sein sollten, ging er zu seinem Colonel und sagte, dass er diesen Einsatz nicht fliegen könne.

US-Kampfpiloten kann Befehl nicht glauben

Sein Bericht und dessen Übersetzung findet sich in dem vom Stadtmuseum Münster und dessen damaligem Leiter Hans Galen herausgegebenen Buch „Bomben auf Münster“ (1983). Die Antwort, die der Pilot bekam, lautete in etwa so: „Sehen Sie, Major, es ist Krieg. (...). Die Deutschen haben in Europa jahrelang Unschuldige getötet. Wir sind hier, um ihnen den Garaus zu machen...“

Er und viele weitere Soldaten der US-Luftwaffe starteten also, die abgeworfenen Bomben legten Münsters Altstadt in Trümmer.

SOCIAL BOOKMARKS