Ausstellung zum „wachen Träumer“ Chagall
„Der Akt über Witebsk“ (1933) ist eines der rund 120 Werke in der Chagall-Schau im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster, die am Samstag beginnt.

Unter dem Titel „Der wache Träumer“ zeigt das Haus von Samstag an bis zum 20. Januar 2019 rund 120 Gemälde, kolorierte Zeichnungen und farbige Grafiken des Malers. Neben Werken aus dem eigenen beachtlichen Bestand sind Leihgaben aus namhaften Häusern wie dem Centre Pompidou in Paris und dem Musée Cantini in Marseille dabei. Auch die Erbengemeinschaft des Malers leistete einen großzügigen Beitrag.

„Chagall hat sich zeitlebens gegen das ihm verliehene Etikett des wirklichkeitsfernen Fantasten gewehrt“, betont Museumsleiter Prof. Markus Müller. „Die Ausstellung nimmt ihn beim Wort und geht den Quellen seiner Bildwelt auf den Grund.“ Nach „Der Maler am Fenster“ (2008/09) und „Marc Chagall und die Bibel“ (2012/13) ist es die dritte Ausstellung zu dem Maler im Picasso-Museum.

Thematisch geordnet

Eingeteilt ist die Schau nach thematischen Gesichtspunkten. In „Die erträumte Heimat“ etwa geht es um Chagalls frühe Jahre im jüdischen Schtetl seiner weißrussischen Geburtsstadt Witebsk. Dort entstand unter anderem das düster-heimelige „Paar am Tisch“ (1908/09), und nach seiner Rückkehr aus dem Ausland verewigte er mehrfach – wie in „Die Mutter am Ofen“ (1914) – Familienmitglieder in ihren vier Wänden. Jahre später schwebt der „Akt über Witebsk“ (1933), nackt auf einem Laken liegend, über der Stadt.

Chagalls „Quellen der Fantastik“ entspringen bisweilen der Ikonen-Kunst, von der er menschlich-tierische Mischwesen übernimmt. Leihgaben aus dem Ikonen-Museum in Recklinghausen veranschaulichen die Parallelen. „Die geträumte Bibel“ wiederum liefert dem jüdischen Maler Vorlagen für Darstellungen von König David und Noah. Unter den religiösen Motiven findet sich auch ein Blatt mit einer Jesaja-Darstellung, das erstmals öffentlich ausgestellt wird – erst kürzlich entdeckten es die Erben im Nachlass.

„Unbewusst bewusst“

Die Münsteraner Ausstellung bringt eindrucksvoll und einleuchtend Licht ins Dunkel zwischen Wachheit und Traum im Schaffen Chagalls – auch wenn die Grenzen stets fließend sind. Vielleicht traf es der Künstler selbst am besten, als er einst sagte: „Ich bin ein Maler, der unbewusst bewusst ist.“

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