BVB nach Spektakel an der Spitze und in Ekstase
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Nach dem Siegtreffer durch den Spanier Paco Alcácer in der sechsten Minute der Nachspielzeit brachen alle Dämme. Selbst Torhüter Roman Bürkei (r., grünes Trikot) stürmte zum Jubellauf über den gesamten Platz.
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„Viel mehr geht nicht. Ich habe das Stadion selten so kochen sehen wie heute ab der 90. Minute“, sagte Zorc. Zweimaliger Rückstand, sieben Tore, ein Dreierpack des erst in der 59. Minute eingewechselten Paco Alcácer, das traumhafte, mit einem Tor gekrönte Comeback von Mario Götze und ein Siegtreffer in der sechsten Minute der Nachspielzeit – daran wird sich auch ein Michael Zorc stets lächelnd erinnern.

Paco Alcácer will einfach nur schnell nach Hause

Vier Pflichtspiel-Siege in Folge mit 18 Treffer, Bundesliga-Tabellenführung, vier Punkte vor den Bayern – und doch kommt dem BVB-Sportdirektor die Länderspielpause gerade recht. Zorc: „Diese Woche ist schwer zu toppen. Es ist gut, dass wir alle mal ein bisschen Abstand gewinnen.“ Abstand gewinnen wollte am Samstagabend auch Dortmunds Held des Tages. Paco Alcácer war trotz seiner Ein-Mann-Show nicht nach Feiern, stattdessen zog es ihn „schnell nach Hause zu meiner Tochter“.

Der vom FC Barcelona ausgeliehene Spanier war der Hauptdarsteller in einem Fußball-Krimi, der auch die 81.365 Zuschauer an die Grenzen der nervlichen Belastbarkeit brachte. Alcácer kam in der 59. Minute ins Spiel. Zu diesem Zeitpunkt stand es 0:1 durch das Tor von Alfred Finnbogason (22.).

Das goldene Händchen von Trainer Lucien Favre

Und dann begann die wilde Fahrt: Alcácer glich aus (62.), Philipp Max brachte die bis dato glänzend organisierten Augsburger wieder in Führung (71.). Alcácer glich wieder aus (80.). Der eingewechselte Mario Götze schoss das 3:2, das Michael Gregoritsch wieder egalisierte (87.). Und dann setzte Alcácer mit einem grandiosen Freistoß aus 22 Metern in der sechsten Minute der Nachspielzeit das Sahnehäubchen auf seine spektakuläre Kurzarbeit.

„Unser Trainer hat wieder mal ein goldenes Händchen bewiesen“, lobte Zorc Lucien Favre. In insgesamt nur 81 Minuten Einsatzzeit hat der vom FC Barcelona ausgeliehene Spanier nun sechs Treffer für den BVB erzielt – eine sensationelle Bilanz. „Ich kann mir vorstellen, über das Jahr hinaus in Dortmund zu bleiben“, sagte der 25-Jährige. Borussia Dortmund hat eine Kaufoption – angeblich für 25 Millionen Euro.

Mario über Felix: „Das ist der wahre Götze“

Auf Interviews hatte Mario Götze dagegen nach seinem Kurz-Comeback „keinen Bock“. Stattdessen kam er nach Spielende gemeinsam mit seinem fünfeinhalb Jahre jüngeren Bruder Felix den Spielertunnel hoch und trug dessen Augsburg-Trikot mit der Nummer 4. „Das ist der wahre Götze“, scherzte Mario nach Monaten des Frusts.

Sieben Minuten nach seiner ersten Einwechslung in der laufenden Saison (77.) hatte der 26-Jährige zum 3:2 für Dortmund getroffen. „Das Tor macht er sensationell“, schwärmte Kumpel Marco Reus, der in der ersten Halbzeit die einzige nennenswerte BVB-Chance vergeben hatte. Sportdirektor Michael Zorc lobte Mario Götzes „professionelle Einstellung“. Er habe „in diesen für ihn extrem schwierigen Wochen nie reklamiert, sondern immer weiter gearbeitet“.

Hoffnungen auf künftige Nominierungen für die Startelf darf sich der WM-Held von 2014 scheinbar dennoch vorerst nicht machen. „Es ist schwierig für ihn, weil wir auf seiner Position viele Spieler haben“, wiederholte Trainer Lucien Favre seinen Standardsatz.

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