Beginnen Weihnachtsmärkte viel zu früh?
Bild: dpa
Die Kirchen üben Kritik an den dieses Jahr besonders früh begonnenen Weihnachtsmärkten in einigen Städten. In Essen beispielsweise läuft der Markt seit dem 16. November. In Dortmund beginnt er am Donnerstag, 22. November.
Bild: dpa

In den meisten Städten öffnen die Weihnachtsmärkte erst nach Totensonntag. So geht es am Montag, 26. November, beispielsweise in Bielefeld, Münster oder auch am Kölner Dom los mit Glühwein und Co. Der Nürnberger Christkindlesmarkt beginnt sogar erst Ende nächster Woche (30. November).

Kirche will nicht Spielverderber sein

Schon seit diesem Donnerstag aber sind zum Beispiel in Freiburg, Bochum und Dortmund die Weihnachtsmärkte am Start. Noch früher, nämlich mehr als zwei Wochen vor dem 1. Advent, am 16. November, ging es in Essen los - so früh wie noch nie. Das führt auch zu Kritik.

Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir wollen gar nicht die Spielverderber sein, die sich alle Jahre wieder gegen zu frühe Weihnachtsmärkte aussprechen.“ Die Märkte seien heute vor allem Marketinginstrument, um Menschen in die City zu locken. „Uns als gläubigen Christen ist es wichtig, bei all der Markttreiberei darauf hinzuweisen, dass Weihnachten nicht irgendeine kulturelle Lichtfeier am Jahresende ist, sondern das Fest der Geburt Jesu.“

November von Erinnerung an die Toten geprägt 

Lota erläuterte: „Ich habe auch den Eindruck, dass viele das spüren, dass es im November, einem Monat, der von der Erinnerung an die Toten geprägt ist, mit Tagen wie Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag, für Weihnachtsfeiern noch viel zu früh ist. Gut besucht kommen mir sehr frühe Adventsmärkte jedenfalls nicht vor.“ Alles habe seine Zeit und das Leben sei nicht 365 Tage im Jahr Party.

„Alles hat seine Zeit“, sagt auch Andreas Duderstedt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Die Vorfreude auf das Besondere, das regelmäßig wiederkehrt, der Unterschied zwischen Alltag und Festtag, Arbeit und Entspannung, fröhlichem Feiern und stillem Gedenken - das ist wohltuend für alle.“ Diesem Grundgedanken folge auch das Kirchenjahr. „Wenn die Adventszeit immer mehr ausgeweitet wird, verliert sie das Besondere. Sie wird alltäglich.“

Bayreuther Winterdorf startete am 18. Oktober

Die Ruhrgebietsstadt Essen war übrigens nicht allein mit dem sehr frühen Weihnachtsmarktbeginn. Auch im katholisch geprägten Österreich ging es früh los. So begann der Wiener Weihnachtstraum auf dem Rathausplatz gegenüber vom Burgtheater ebenfalls am 16. November. Und in Franken wurde bei spätsommerlichen fast 20 Grad schon am 18. Oktober das Bayreuther Winterdorf eröffnet. Damals hieß es stolz, man sei wieder einmal der erste Weihnachtstreff „in ganz Deutschland und sicher auch in Europa“.

SOCIAL BOOKMARKS