Behinderte Frauen sexuell missbraucht
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Behinderte Frauen in Einrichtungen und Heimen sind einer Studie zufolge in vielen Fällen sexuellen Missbrauch ausgesetzt.
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Das berichtet das ARD-Magazin „Report Mainz“ in seiner Ausgabe am Dienstag. Das Magazin beruft sich dabei auf die neue Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“. Aus der Studie, die im April veröffentlicht werden solle, gehe hervor, dass sechs Prozent der Frauen mit geistiger Behinderung in Heimen und Werkstätten sexuelle Gewalt erlitten haben. Die Sozialwissenschaftlerin Monika Schröttle, die das Untersuchungsprojekt geleitet hat, geht davon aus, dass „auf jeden Fall mehrere tausend Frauen“ in deutschen Behindertenheimen und -Einrichtungen sexuell missbraucht wurden. Täter sind der Studie zufolge meist Bewohner, aber auch Personal. Im Interview erklärte Monika Schröttle von der Universität Bielefeld: „Das Gravierende ist, dass die Frauen in den Einrichtungen nicht einfach raus können und dass es viel schwerer ist, Zugang zu Hilfe und Unterstützung zu bekommen und dass die Einrichtung eigentlich dafür verantwortlich ist, dass sie keine Übergriffe erleben.“

Drei von vier Frauen berichten von Übergriffen

In einer nicht repräsentativen Zusatzbefragung berichteten drei von vier Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend in Einrichtungen untergebracht waren, von „psychischen und/oder körperlichen Übergriffen“ in diesen Einrichtungen. Besonders betroffen waren blinde und gehörlose Mädchen. Georg Ehrmann, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe erklärte gegenüber dem magazin: „Der tägliche Missbrauch von Jungen und Mädchen in deutschen Behinderteneinrichtungen ist ein großes Tabu und unter dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, machen die Verantwortlichen in der Politik, in den Verbänden und in den Kommunen die Augen zu und deswegen sprechen Betroffene auch von dem größten Skandal in der Jugendhilfe seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, kritisierte die fehlende Meldepflicht in Einrichtungen sowie mangelhafte Kontrollen durch die zuständige Heimaufsicht der Länder.

Hohe Fallzahl als „bedenklich“ eingestuft

Viele Bewohnerinnen von Behinderteneinrichtungen leiden unter Gewalt: „Etwa jede dritte bis vierte in einer Einrichtung lebende Frau hat psychisch verletzende Handlungen und psychische Gewalt in Einrichtungen erlebt. Bis zu 20 Prozent gaben körperliche Gewalt in Einrichtungen im Erwachsenenleben an“, heißt es in der Studie. Mehr als die Hälfte der psychisch erkrankten Heimbewohnerinnen berichteten, in den letzten 12 Monaten psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. 16 Prozent gaben an, psychisch so stark belastet worden zu sein, „dass es als Psychoterror oder seelische Grausamkeit empfunden wurde“. In Bezug auf alle in der Studie befragten Frauen, also solche, die in Einrichtungen, aber auch in Haushalten leben, heißt es dazu in der Studie: „Der hohe Anteil von Frauen mit Behinderungen, die psychische Übergriffe durch Gesundheitsdienste, Einrichtungen und Ämter/Behörden angaben, muss als bedenklich eingestuft werden.“

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