Bei Kindesmissbrauch endet Schweigepflicht
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Beim Verdacht auf Missbrauch oder Misshandlung eines Kindes dürfen Ärzte jetzt das Jugendamt einschalten.
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Das hofft Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, im Vorfeld des fünften Kinderschutzforums in Münster. Im Jahre 2010 wurden nach offiziellen Angaben 14 407 Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs. Zahlen, die der Realität wohl nicht entsprechen, wie Windhorst meint. „Die Dunkelziffer ist enorm hoch.“ Vernachlässigung oder sexuelle Gewalt an Kindern kämen mittlerweile so häufig vor, dass wohl jeder Kinderarzt damit konfrontiert werden kann.

Schweigen schützt die Falschen

Das seit Jahresbeginn geltende neue Gesetz ermöglicht den Ärzten nun, bei konkreten Anhaltspunkten für die Gefährdung eines Kindes das Jugendamt einzuschalten. Früher hätten sich die Mediziner oft schwer getan mit der Offenlegung eines Falls. „Da es sich ja erst einmal um einen Verdacht handelte, hatten sie Angst, das Vertrauen ihrer Patienten aufs Spiel zu setzen.“ Kindeswohl gehe aber über Daten- und Elternschutz, sagt der Ärztekammerpräsident. „Das Schweigen schützt die Falschen.“ Nun soll der Arzt, wenn er glaubt, ein Kind werde misshandelt, in einem ersten Schritt den Kontakt mit den Erziehungsberechtigten und anschließend, falls erforderlich, mit dem Jugendamt aufnehmen. Mit Konsequenzen bezüglich seiner Schweigepflicht brauche er nicht zu rechnen. Windhorst weiß aber auch: „Äußert ein Mediziner Sorgeberechtigten gegenüber einen Missbrauchsverdacht, wechseln diese manchmal den Arzt.“

Ärzte brauchen Ansprechpartner

Die von Kinderärzten in Duisburg erstellte Datei „Riskid“, in der diese Hinweise auf Kindesmisshandlungen sammelten, sei eine gute Idee gewesen und habe dem entgegenwirken können. Sie war aber wegen Missachtung der Schweigepflicht verboten worden. „Ein Netzwerk ist eine wichtige Waffe gegen Kindesmissbrauch“, findet Windhorst. Die Mediziner bräuchten Ansprechpartner, mit denen sie sich über die Verdachtsmomente austauschen können. „Das Kinderschutzforum setzt hier an und bietet eine Plattform für so einen Austausch“. Das Kinderschutzforum findet am kommenden Samstag von 10 bis 14 Uhr im Rathaus zu Münster statt.

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