Betriebsrat stellt sich hinter Provinzialchef
Bildmontage: Martsch
Bleibt Ulrich Rüther nach der erfundenen Attacke auf sich selbst Chef der Provinzial Nordwest? Beobachter erwarten eine schnelle Entscheidung.
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Rüther hatte am Dienstag zugegeben, einen Schraubendreher-Angriff auf sich frei erfunden zu haben.

Kirsch wollte im Laufe des Mittwochs mit Rüther sprechen. Ob das Gespräch zustande kam, blieb zunächst unklar. Wie es dann weitergehe sei völlig offen, hieß es in informierten Kreisen. Rüther sei derzeit krankgeschrieben. Denkbar sei, dass er nach Genesung seine Arbeit wieder aufnimmt. Möglich aber auch, dass der Vertrag mit dem 44 Jahre alten Manager aufgelöst wird.  Es gibt Stimmen, die betonen, dass Rüther nicht mehr im Amt zu halten sei. Eine offizielle Mitteilung werde es am Mittwoch nicht mehr geben, hieß es aus Eigentümerkreisen.

Kein Bedarf für übereilte Entscheidung

Provinzial Gesamtbetriebsratschef Albert Roer stellte sich im Gespräch mit der „Glocke“ demonstrativ hinter Rüther. „Ich sehe keinen Bedarf für eine übereilte Entscheidung“, sagte er. Der Konzern sei handlungsfähig aufgestellt auch wenn Rüther krank geschrieben sei. Roer glaubt zudem, dass Rüther nach einer Erhoungsphase dazu bereit sei, seinen Posten wieder zu übernehmen. Roer ist als Arbeitnehmervertreter Mitglied des Provinzial-Aufsichtsrates. Das in der Personalie Rüther zuständige Gremium werde in den nächsten Tagen nicht zusammenkommen, sagte der Betriebsratschef.

Großdemonstration in Münster

Trotz der Entscheidung gegen einen Verauf der Provinzial an die Allianz soll es am Freitag zu einer Großdemonstration vor dem Landeshaus in Münster kommen. Erwartet werden 5000 Teilnehmer. Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) und CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann haben ihr Kommen angekündigt. „Wir wollen ein eindeutiges Bekenntnis des Landschaftsverbands LWL, die Provinzial nicht an einen privaten Konzern zu verkaufen“, erklärte Roer den Sinn der Demonstration. Der LWL solle Farbe bekennen. Nur so sei eindeutig klar, dass es auch in Zukunft keine Überraschungen geben könne.

Sparkassenverband legt Veto ein

Die Sparkassen in Schleswig-Holstein haben unterdessen den Verkauf der Provinzial Nordwest abgelehnt. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner sagte in einer Aktuellen Stunde, Sparkassenverbandspräsident Reinhard Boll habe ihm gegenüber erklärt, die Sparkassen würden einem Verkauf der Provinzial nicht zustimmen, weder jetzt noch im April nächsten Jahres.

Breite Unterstützung der Mitarbeiter

Im Internet formt sich breite Unterstützung der Mitarbeiter für Rüther. Der Manager gilt im Unternehmen als sehr beliebt. So heißt es bei Facebook: „Herr Rüther muss bleiben und uns in gewohnter Weise vertreten! Wir sind es von ihm so gewohnt!“ Eine andere Nutzerin schreibt: „Rüther hat uns in den letzten Jahren sehr gut und mit Herz vertreten. Seine Kurzschlusshandlung kann er nicht zurücknehmen und wird hierfür sicherlich auf vielen Ebenen abgestraft. Stärken wir ihm den Rücken. Er ist für uns in den folgenden schwierigen Zeiten als Verhandlungspartner wichtig!“

Rüther fügte sich Verletzungen selbst zu

Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass es eine Attacke auf Rüther nie gegeben habe. „Die Verletzungen hat er sich selbst zugefügt“, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Die Ermittlungen der zwölfköpfigen Ermittlungskommission wegen des angezeigten Angriffs wurden eingestellt.

Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat

Jetzt laufen Ermittlungen gegen den 44 Jahre alten Provinzial-Chef. Gegen Rüther wird ein Verfahren wegen Vortäuschung einer Straftat eingeleitet - voraussichtlich wird es aber zügig gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Beck begründet Rüther sein Verhalten mit den enormen Auswirkungen der Turbulenzen bei der Provinzial auf seine Familie. Rüther räumte sein Verhalten am Montag Nachmittag und am Dienstag Morgen vor der Polizei und der Staatsanwaltschaft ein.

Erster Verdacht nach Untersuchung durch Rechtsmediziner

Wie Beck sagt, wurde von Anfang an in alle Richtungen ermittelt. Nach der Untersuchung durch einen Rechtsmediziner habe es bereits deutliche Hinweise gewesen, dass es keinen fremden Täter geben könne. Zudem habe es auf den Videoaufnahmen keine Verdächtigen gegeben.

Rüther hatte am Mittwoch vergangener Woche zunächst angegeben, dass er von einem etwa 30 Jahre alten Mann in der Provinzial-Tiefgarage mit einem Schraubendreher attackiert worden sei. Der Attentäter sei dann geflohen.  Mit dem Werkzeug in der Brust ließ sich der Manager von seinem Fahrer in das Franziskus-Hopital fahren, wo er behandelt wurde. Die Krankenhausärzte stellten Verletzungen der Muskulatur im Brustbereich fest.

Rüther sollte auf einer Betriebsversammlung in Münster sprechen. Hintergrund waren Überlegungen der Provinzial-Eigentümer – darunter die Westfälischen Sparkassen und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe – die Provinzial Nordwest an die Allianz zu verkaufen.

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