„Bisheriges Wachstumstempo nicht zu halten“
Bild: Evers

Die Baubranche befindet sich nach Angaben der IHK Nord Westfalen unverändert in einer Hochphase. Dünner wird die Luft für heimische Industrieunternehmen.

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„Das bisherige Wachstumstempo wird nicht zu halten sein“, sagte Dr. Fritz Jaeckel (Bild), Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, gestern bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage in Münster. Die steigenden Risiken, etwa wegen des nahenden Brexits und zunehmender Handelsregulierungen, drücken die Stimmung der heimischen Unternehmer. Die steigenden Risiken, etwa wegen des nahenden Brexits und zunehmender Handelsregulierungen, drücken die Stimmung der heimischen Unternehmer.

Klimaindikator gibt nach

Wegen der verhalteneren Perspektiven gibt der IHK-Konjunkturklimaindikator deutlich nach. Er fällt von 135 zu Jahresbeginn auf aktuell 125 Punkte. Damit liegt er aber immer noch 9 Punkte über dem langjährigen Durchschnitt. Die IHK befragte für die Konjunktureinschätzung 500 Unternehmen aus dem Münsterland und dem Emscher-Lippe-Raum.

Bauwirtschaft floriert

„Hervorragend“ ist nach Angaben Jaeckels die Lage in der Bauwirtschaft. Die Unternehmen könnten „sich vor Aufträgen kaum retten“. Die Geschäftslage wird in der Branche sogar noch besser beurteilt als vor einem Jahr. Auch der Dienstleistungssektor floriert nach Angaben der IHK.

Etwas ruhiger verlaufen die Geschäfte hingegen in der Industrie. „Noch ist die Auftragslage dort insgesamt gut“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer, „doch die Luft wird dünner.“ Das Auftragspolster in der Branche dürfte seiner Einschätzung nach noch bis zum Jahresende reichen.

Mit Sorge betrachten die Unternehmer im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region den aktuellen Kurs der US-Regierung und den Austritt Großbritanniens aus der EU. Teilweise seien die Folgen des angekündigten Austritts „nicht kalkulierbar“, sagte Jaeckel. Viele Fragen seien noch offen, oft gehe es um Details. So gebe es in Großbritannien noch nicht einmal ausreichend Zollbeamte, um den notwendigen Grenzverkehr nach dem aktuell vorgesehenen Austritt am 30. März 2019 zu regeln.

Die heimischen Unternehmen wappnen sich für einen ungeordneten Brexit. Jaeckel rechnet mit Übergangsregelungen. Im vergangenen Jahr exportierten heimische Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,6 Milliarden Euro nach Großbritannien.

Vollbeschäftigung erreicht

Der Arbeitsmarkt präsentiert sich Jaeckel zufolge in sehr guter Verfassung. Im Münsterland liege die Arbeitslosenquote vielerorts unter drei Prozent – damit sei Vollbeschäftigung erreicht.

Die Unternehmen stehen im Kampf um die Köpfe, die Nachfrage nach Arbeitskräften ist hoch. 27 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Belegschaft vergrößern. „Es wird teilweise auf Vorrat eingestellt“, sagte Jaeckel. Auszubildende haben gute Chancen, übernommen zu werden.

Hohe Investitionsbereitschaft

Auch die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen bleibt der IHK-Konjunkturumfrage zufolge hoch. Jedes dritte Unternehmen plant, in den kommenden Monaten, mehr zu investieren. Die Unternehmen bauen Kapazitäten aus oder schieben Innovationen an.

Im Münsterland wird verstärkt in die Rationalisierung der Produktion investiert. Für IHK-Hauptgeschäftsführer Jaeckel gibt es nur eine Deutung: „Der Mangel an Fachkräften trifft die Wirtschaft im Münsterland – und zwingt sie dazu, noch effizienter zu werden.“

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