Branche fürchtet Einbruch bei Windräder-Bau
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Der Bau von neuen Windrädern führt mancherorts zu Streit. Mit einer neuen Abstandsregelung will die NRW-Landesregierung den Dauerzwist um die Windräder im Land befrieden. Bei Betreibern von Windparks trifft sie damit aber auf heftigen Protest.
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Die von der schwarz-gelben Landesregierung geplante 1000-Meter-Regel für diesen Mindestabstand werde zu einem Einbruch beim Bau neuer Anlagen führen, warnen Verbände. Schon in den vergangenen Jahren war der Ausbau der Windenergie auch in den Regierungsbezirken Münster und Detmold ins Stocken geraten.

Münsterland und Ostwestfalen führend bei Zahl der Anlagen

Beide Regionen zählen in NRW dennoch zu den Spitzenreitern bei der Windkraft, wie der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) NRW am Dienstag auf „Glocke“-Anfrage berichtete. Demnach waren zum Jahresende 2019 im Regierungsbezirk Münster 1029 Windenergieanlagen mit insgesamt 1716 Megawatt Leistung am Netz – das ist der erste Platz in NRW. Führende Kreise waren Borken (311 Anlagen), Steinfurt (309) und Warendorf (207). Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch beträgt im Münsterland laut LEE 31,6 Prozent – die Region liegt damit auf dem zweiten Platz in Nordrhein-Westfalen.

Im Regierungsbezirk Detmold waren zum Jahresende 2019 dem LEE zufolge 1005 Windenergieanlagen mit insgesamt 1570 Megawatt Leistung am Netz, hinter dem Münsterland bedeutet das Platz zwei bei der Windenergie. In OWL liegen die Kreise Paderborn (531), Höxter (189) und Lippe (123) vorn. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch beträgt 34,4 Prozent – der Regierungsbezirk Detmold liegt damit auf dem ersten Platz im NRW-Vergleich.

Im Jahr 2020 wurden nach Angaben von Branchenverbänden in NRW 93 neue Anlagen errichtet. Gleichzeitig wurden 33 alte Räder mit geringer Leistung demontiert. Mit einem Nettozubau von 283 Megawatt liegt NRW den Angaben zufolge vor Brandenburg (205 Megawatt) und Niedersachsen (115 Megawatt). Im Jahr zuvor waren in Nordrhein-Westfalen nur 38 neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen worden. Insgesamt sind im Land mehr als 3500 Windräder mit einer Gesamtleistung von knapp 6200 Megawatt in Betrieb.

Kritik an 1000-Meter-Regel für Mindestabstand

Die Windenergiebranche in Nordrhein-Westfalen kritisiert die geplante 1000-Meter-Regel für den Mindestabstand von Windrädern zur Wohnbebauung scharf. „Damit wird faktisch der Windenergieausbau zum Erliegen kommen“, heißt es in einem offenen Brief von Betreibern und Planern von Windkraftanlagen an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Die Landesregierung wolle den 1000-Meter-Abstand zu „jeder Kleinstsiedlung im Außenbereich“ vorschreiben. Damit lasse sich in vielen Teilen des Landes kaum eine Fläche finden, auf der Windenergieanlagen noch zweifelsfrei errichtet werden könnten. Kein anderes Bundesland wolle die Öffnungsklausel für Windabstände so restriktiv umsetzen wie NRW.

„Fairer Ausgleich zwischen Bedürfnissen der Bevölkerung und Zielen der Energieversorgung“ 

Die NRW-Landesregierung will mit den neuen Regelungen laut Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) einen „fairen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und den Zielen der Energieversorgung“ schaffen. Die hohe Dichte von Windenergieanlagen in Teilen des Landes hätten viele Bürger auf die Barrikaden getrieben, hatte Scharrenbach bei der Vorstellung des Gesetzentwurfes gesagt. Die Ausbauziele bei der Windenergie in NRW könnten mit dem 1000-Meter-Abstand eingehalten werden. Das hätten Zwischenergebnisse einer laufenden Analyse gezeigt.

Die Branchenvertreter bezweifeln das. In Kombination mit dem faktischen Ausschluss aller Waldflächen werde künftig nur noch weniger als ein halbes Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen zur Verfügung stehen. Da sei viel zu wenig, um die Klimaziele zu erreichen. Die Regelungen bedeuteten für die Wirtschaft in NRW den Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro an Investitionen im Jahr. Zudem gingen vielen Gemeinden wichtige Einnahmequellen verloren. Das Gesetz sei „ein Geschenk an die kleine laute Minderheit der Windkraftgegner, auf Kosten des Klimaschutzes“.

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