Bundesbankpräsident bei Unternehmertag
Bild: Bitter
Wünschen sich eine stabile Währungsunion: Bundesbankpräsident Dr. Jens Weidmann (l.) und der neue Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, Wolf D. Meier-Scheuven.
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Als Ergebnis der Überprüfung stellt er heraus: „Banken haben ihr Eigenkapital erhöht. Gemeinsame Aufsicht und gemeinsame Abwicklung bringen Sicherheit.“ Wichtig erscheint dem Fachmann auch, dem Haftungsprinzip mehr Geltung zu verschaffen nach dem Grundsatz: „Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.“

Für Weidmann müssen Strukturreformen in den Ländern dringend hinzu kommen. Dabei sollten vor allem die großen ihrer Verantwortung gerecht werden, mahnte er, weil auch deutsches Wachstum nicht immun sei gegen Einflüsse von außen. Hier liege der Schlüssel allerdings bei der Politik und nicht bei den Notenbanken, differenziert der Präsident. Mit einer Inflationsrate von zwei Prozent oder leicht darunter, aber nicht bei Null, kann der international erfahrene Finanzexperte gut leben. Sein dringender Rat: „An der Niedrigzinspolitik nicht länger festhalten als das unbedingt notwendig ist, weil Preisstabilität Vorrang hat.“ Ausnahmen von der Einhaltung der Defizitgrenzen wie im Fall Frankreichs gefallen dem Bundesbankpräsidenten gar nicht. Seine Begründung: „Wenn ein Regelwerk erst einmal gestreckt wird, lähmt dies das Vertrauen. Insolvenzen von Staaten müssen in letzter Konsequenz möglich sein.“

Dem neuen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, Wolf D. Meier-Scheuven, bereitet Kopfschmerzen, dass die EZB die Zinsen extrem niedrig hält, „weil internationale Lasten dadurch auf die verlagert werden, die sparsamer gewirtschaftet haben“. „Billiges Geld ist gut für Schuldner, auch für überschuldete Staaten“, gibt er zu bedenken. Meier-Scheuven sorgt sich um die Vorsorgesysteme in unserer Gesellschaft, „weil sie mittelfristig auf eine gedeihliche Zinsentwicklung angewiesen sind, damit sie nicht kollabieren“.

Für Weidmann ist der Euro längst zum Symbol Europas geworden und hatte die Währungsunion „eine glückliche Kindheit“. Einen Makel macht der Gastredner aus: „Im Vorfeld haben sich die Mitgliedsstaaten wie ein Bräutigam eine Diät verordnet, damit sie in den engen Hochzeitsanzug passen. Nur danach haben sie sich wieder gehen lassen.“

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