Corona-Pandemie verändert Schützenwesen
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Forscher der Universität Paderborn haben in einer Umfrage unter mehr als 2000 Mitgliedern von Schützenvereinen in Westfalen die Auswirkungen der Corona-Pandemie untersucht.
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Abgesagte Schützenfeste, fehlende Geselligkeit und Zukunftssorgen: Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Forschern der Universität Paderborn das traditionelle Schützenwesen in Westfalen stark getroffen. In einer Online-Umfrage unter mehr als 2000 Mitgliedern der Brauchtumsvereine in Westfalen sei jedoch auch zum Ausdruck gekommen, dass die Pandemie sich als Katalysator für eine stärkere Digitalisierung der Vereine erweisen könne, wie die Forscher in einer Mitteilung von Mittwoch bilanzierten.

95 Prozent stehen hinter corona-bedingter Schützenfest-Absage

Das Forschungsprojekt „Tradition im Wandel“ untersucht seit 2016 die Bedeutung des Schützenwesens als Immaterielles Kulturerbe und hat in den vergangenen Monaten eine Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Krise aufgelegt. Demnach gehen 83 Prozent der Befragten davon aus, dass die Pandemie die kulturelle Praxis ihres Vereins stark oder sehr stark verändert hat. Am stärksten werde dabei der Ausfall der Schützenfeste bedauert, wobei über 80 Prozent der Befragten die traditionellen Feste speziell als Ort der Begegnung und des Wiedersehens mit Freunden vermissen, seltener als Ort für ausgelassenes Feiern und Essen und Trinken. Mit 95 Prozent der Befragten stehen jedoch nahezu alle hinter der corona-bedingten Absage der Schützenfest-Saison.

Für viele Befragte hängt die Zukunft der Vereine sehr stark von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab: Sollten auch in den nächsten ein oder zwei Jahren Schützenfeste und weitere Veranstaltungen abgesagt werden, gehen zwischen 50 und 60 Prozent der Befragten von drohendem Mitgliederschwund, einem Bedeutungsverlust und in der Folge einer Existenzbedrohung der Vereine aus. Bislang beobachten aber die meisten, dass die Bedeutung der Schützenvereine vor Ort gleich geblieben (61 Prozent) oder sogar gestiegen sei (20 Prozent).

Pandemie bringt Digitalisierungsschub

Die Forscher sind jedoch auch sicher, dass die Corona-Pandemie einen Digitalisierungsschub mit sich bringt: So gab ein Drittel der Umfrageteilnehmer an, dass der Verein sich stark oder sehr stark bei der Nutzung sozialer Medien weiterentwickelt habe. Mehr als jedes vierte befragte Vorstandsmitglied berichtete, im Vereinskontext an einer Videokonferenz teilgenommen zu haben. Weitere Vereine entwickelten digitale Alternativformate, übertrugen etwa einzelne Vereinsrituale in den Sozialen Medien.

„Diese Themen wurden zwar schon vor der Pandemie von zahlreichen Vereinen fokussiert, allerdings nicht mit der nötigen Entschlossenheit“, sagte Jonas Leineweber vom Forschungsprojekt. Die nun eingeübten digitalen Formate seien auch langfristig geeignet, diejenigen einzubinden, die nicht mehr im Ort wohnen, aber sich dennoch einbringen möchten.

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