Ärztin täuschte hunderte Patienten
Am Landgericht Paderborn  ist am Freitag der Fall einer Ärztin verhandelt worden, die mehr als 500 Patienten mit Cortison behandelt haben soll, ohne dass diese vorher eingewilligt hatten.

 Die meisten früheren Patienten haben Allergien – und die Angeklagte galt als Expertin für naturheilkundliche Mittel. Sie soll bei Eigenbluttherapien ein cortisonhaltiges Präparat beigemischt haben. Am ersten Verhandlungstag räumte die Frau die Behandlungen ein. Sie will aber nicht gewusst haben, dass das verwendete Präparat Cortison enthielt.

Cortison statt Homöopathie

Die Ärztin, deren Approbation seit mehreren Jahren ruht, soll 34 000 Euro mit den Spritzen verdient haben. In der Anklageschrift wird das Ausmaß der Vorwürfe gegen die Frau deutlich: Teils bekamen demnach Patienten über Jahre hinweg mehrfach Spritzen, von denen sie annehmen mussten, sie enthielten ausschließlich homöpathische Substanzen. Allerdings zeigten die Behandelten häufig für Cortisongaben typische Nebenwirkungen. Die Staatsanwaltschaft spricht von aufgedunsenen Gesichtern, Wachstumsstörungen und Flaumbehaarungen bei Kindern bis hin zu schwächeren Immunsystemen. Ein Kind soll sogar an Schweinegrippe erkrankt sein, ein erwachsener Patient soll zeitweilig zeugungsunfähig gewesen sein.

Die Anklage listet auch 830 Fälle von gewerbsmäßigem Betrug auf, da die Ärztin die cortisonhaltigen Spritzen als homöopathische Substanzen abgerechnet haben soll. Die Angeklagte ließ über ihre Verteidiger erklären, sie sei davon ausgegangen, dass das von ihr beigemischte Triamcinolonacetonid rein homöpathisch sei. So werde es auch vom Hersteller beworben, deshalb habe sie die Patienten auch nicht weiter aufgeklärt.

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