Corvey soll Weltkulturerbe werden
Bild: Mense
Am Donnerstag reicht das Berliner Auswärtige Amt bei der Unesco in Paris den Antrag ein, das Kloster Corvey in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Im Mittelalter wurde von dieser Anlage nahe Höxter aus Weltpolitik betrieben.
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Das Welterbekomitee entscheidet im Juni 2014 über den Antrag. In diesem Jahr besuchen zunächst mehrere Gutachter der Unesco das Kloster Corvey, um den Antrag zu überprüfen.

Schon von weitem zieht das monumentale Gebäude mit den beiden flankierenden Türmen die Blicke auf sich. Von allen Seiten weithin sichtbar, überragt das rötliche Mauerwerk die langgestreckten weißen Gebäude der übrigen Klosteranlage. Wie ein himmelwärts gerichteter Fingerzeig erinnert das Corveyer Westwerk an die karolingischen Ursprünge der ehemaligen Abtei. Es war die Zeit der Christianisierung Europas, als Ludwig der Fromme 822, gemäß dem Wunsch seines Vaters Karl des Großen, im soeben eroberten Sachsenland an der Weser eine mächtige Reichsabtei errichten ließ. Als Außenposten des karolingischen Herrschergebietes sollte es den Machtanspruch der Franken festigen und ausbauen helfen.

Ausgestattet mit einträglichen Ländereien, berühmt für seine Bibliothek und bekannt für seine Schule, aus der bedeutende Äbte hervorgingen, stieg das Kloster schnell auf zu einem der wichtigsten politischen und geistlichen Zentren des Frankenlandes. Jetzt soll es Weltkulturerbe werden.

Von Corvey aus erfolgte die Missionierung ganz Norddeutschlands bin nach Skandinavien

„Von hier aus erfolgte die Missionierung ganz Norddeutschlands bis hin nach Skandinavien“, sagt Claudia Konrad vom Museum Corvey. „Und hier kamen die Kaiser zusammen, um die Geschicke des Landes zu leiten.“ Sie hat den Antrag auf Aufnahme in die Welterbe-Liste zusammen mit Wissenschaftlern erarbeitet und ist überzeugt, dass das Westwerk ebenso wie die gesamte Klosteranlage dem Unesco-Anspruch des „außergewöhnlich universellen Wertes“ gerecht wird. Davon ist auch Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt in Berlin überzeugt. „Es ist das einzige erhaltene Westwerk aus der Zeit der Karolinger. Damit ist es ein wichtiger Baustein für die Kenntnis der Architektur dieser Zeit.“ Als Vertreterin Deutschlands im Welterbekomitee reicht sie den Antrag der Bundesrepublik am Donnerstag beim Welterbezentrum in Paris ein.

Bei Kunsthistorikern steht die Einschätzung, dass Kloster Corvey den Weltkulturerbe-Status verdient hat, außer Frage, bestätigt Joachim Poeschke von der Uni Münster: „Das Corveyer Westwerk ist eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Denkmäler der europäischen Kunstgeschichte und als eines der wenigen original erhaltenen Bauwerke der karolingischen Renaissance durchaus vergleichbar mit der bereits als Welterbe anerkannten Torhalle des Klosters Lorsch“, erklärt der Experte für mittelalterliche Kunstgeschichte.

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