Daten vieler Abgeordneter veröffentlicht
Bild: dpa
Die Daten von zahlreichen Bundestagsabgeordneten sind geleakt worden.
Bild: dpa

Die Bundesregierung hat die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern, Parteien und Prominenten als „schwerwiegenden Angriff“ gewertet. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, erklärte Justizministerin Katarina Barley (SPD) am Freitag. Wer für das Datenleck verantwortlich ist und welche Motivation dahintersteckt, war zunächst noch unklar. Auch ob alle Daten authentisch sind, war zunächst offen.

Wie das rbb-Inforadio als erstes berichtet hatte, wurden bereits vor Weihnachten große Mengen persönlicher Daten und Dokumente von Politikern, Künstlern und Journalisten über Twitter veröffentlicht. Betroffen ist auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). In einem Datensatz tauchen unter anderem eine Faxnummer, eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe auf.

Betroffen sind laut rbb alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD.

Laut Bundesregierung wurden Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht. Betroffen seien „alle Ebenen“ - Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag in Berlin. Fietz warnte, es könnten auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein. Das Kanzleramt hat nach diesen Angaben am Donnerstagabend Kenntnis von dem Fall bekommen.

Aus dem Kanzleramt selbst sind den Angaben zufolge infolge des Datenlecks keine sensiblen Daten abgeflossen. Das gelte auch für den Bereich von Kanzlerin Angela Merkel, sagte Fietz. Die Bundesregierung weiß noch nicht, ob die Daten durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Auf welche Art und Weise die Daten abgeflossen seien, "lässt sich noch nicht mit Sicherheit feststellen", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die Sicherheitsbehörden hätten festgestellt, dass es sich sowohl um "relativ aktuelle als auch um ältere Datenpakete handelt".

Daldrup: „Falsche Telefonnummer veröffentlicht“

Von den heimischen Bundestagsabgeordneten hat bislang Bernhard Daldrup (SPD, Sendenhorst) gegenüber der „Glocke“ bestätigt, dass Daten von ihm veröffentlicht worden seien - eine Mailadresse und eine „völlig falsche Telefonnummer“. Diesbezüglich sei er also „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beunruhigt“ - wohl aber mit Blick darauf, dass es überhaupt solch ein Datenleck gegeben hat. Aus den Büros der Abgeordneten aus dem Kreis Gütersloh, Ralph Brinkhaus (CDU, Rheda-Wiedenbrück) und Elvan Korkmaz (SPD, Gütersloh), hieß es am Vormittag, man habe noch keine konkreten Informationen. Laut Medienberichten sind auch von ihnen persönliche Daten in Umlauf gekommen.

Reinhold Sendker (CDU, Ennigerloh) teilte mit, er sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen. Er werte den Vorfall als „Angriff auf das demokratische System“, der dessen „Destabilisierung bewirken soll“. Es sei „bemerkenswert“, dass offenbar die AfD als einzige im Bundestag vertretene Partei nicht betroffen sei.

Bundestagsnetz möglicher Angriffspunkt

Der Inhaber des genannten und inzwischen gesperrten Twitter-Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Researching, Künstler, Satire und Ironie. Die Bundesregierung prüft, ob die Daten durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Man hält es nach dpa-Informationen auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages, das schon öfter Ziel schwerer Hackerangriffe wurde.

SOCIAL BOOKMARKS