Der ganze Müll passt in ein Einmachglas
Ausschließlich unverpackte Lebensmittel kauft Shia Su aus Bochum ein. Die 32-Jährige und ihr Mann produzieren so gut wie keinerlei Müll. Trockenwaren wie Haferflocken, Nüsse und Hülsenfrüchte füllen sie etwa alle sechs Wochen in Gläsern auf.

Im „Glocke“-Interview berichtet die selbstständige Bloggerin Shia Su, womit sie und ihr Mann sich die Zähne putzen, wo sie unverpackten Kaffee bekommen und ob sie überhaupt ohne Kopfzerbrechen durch eine verdreckte Fußgängerzone spazieren kann.

„Die Glocke“: Wenn man überhaupt keinen Müll produzieren will, muss man dann als Aussteiger auf dem Land leben? 

Su: Nein, das wäre nichts für uns. Mein Mann und ich wohnen mitten in der Bochumer Innenstadt, direkt neben der Fußgängerzone.

„Die Glocke“: Fair-Trade-Kaffee und Bio-Fleisch sind für viele Menschen längst Standard. War Ihnen das nicht genug? 

Su: Wir haben uns zu schnell mit Bio-Produkten und recyceltem Toilettenpapier zufrieden gegeben. Dabei kann man viel mehr für den Umweltschutz machen.

„Die Glocke“: Wie kam es zur Idee, keinen Müll zu produzieren? 

Su: Bei Facebook habe ich ein Video über den Alltag einer amerikanische Familie gesehen, die müllfrei lebt. Danach wollten wir testen, wo hier die Grenzen sind.

„Die Glocke“: Wie sieht Ihr Alltag heute aus? 

Su: Es ist viel stressfreier, als man denkt. Wir kaufen zum Beispiel immer im selben Bio-Geschäft frisches Gemüse und Obst ein. Alle sechs Wochen füllen wir Gläser mit Haferflocken, Nüssen oder Hülsenfrüchten auf.

„Die Glocke“: In welchen Geschäften ist es möglich, unverpackte Waren einzukaufen? 

Su: Das geht erstaunlich oft, zum Beispiel fragt man in Kaffeeröstereien, ob sie den Kaffee auch unverpackt verkaufen. Reis bekommt man im Asia-Geschäft. Käse gibt es etwa auf dem Wochenmarkt und Milch aus einem Pfandglas.

„Die Glocke“:  Aber woher bekommen Sie unverpackte Zahnpasta oder Shampoo? 

Su: Wir nutzen feste Seife ohne Zusatzstoffe für den ganzen Körper. Daraus lässt sich Wasch- und Spülmittel herstellen. Die Haare wasche ich mir mit Roggenmehl. Das ist erst komisch, weil es nicht riecht, funktioniert aber. Mein Mann nimmt feste Shampoo-Seife Und für die Zähne nehme ich Zahnpulver.

„Die Glocke“: Was ist das? 

Su: Das kann man selbst mischen. Hauptsächlich ist Natron drin, wie in normaler Zahnpasta.

„Die Glocke“:  Wo fällt im Alltag trotzdem Müll an? 

Su: Im Restaurant, wo man nicht immer nur nach Leitungswasser fragen kann und dann ein Kronkorken anfällt. Den nehmen wir für unsere Statistik dann mit.

Mehr lesen Sie am Samstag in der Print-Ausgabe und im E-Paper der „Glocke“. 

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