Diesel-Abgase in Städten zurückgegangen
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Im vergangenen Jahr sind die Diesel-Abgase in deutschen Städten zurückgegangen. Dennoch überschreiten 70 Kommunen den Grenzwert zum Schutz der Gesundheit.
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Die Schadstoffe aus älteren Diesel-Autos müssen vielerorts herunter, um Fahrverbote zu vermeiden. Nun zeigt eine amtliche Bilanz: Die Belastung beginnt zu sinken - ausreichend sei das aber noch nicht. Die höchste Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) gab es trotz eines leichten Rückgangs in München. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden im Jahresmittel 78 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gemessen - der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. 

Tempolimits und Straßenverengungen zielführend

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sprach von einer Entwicklung in die richtige Richtung. „Wir sind aber noch längst nicht am Ziel." Aus Sicht der Behörde zeigen sich erste Wirkungen kommunaler Maßnahmen, die durch die Diesel-Debatte angestoßen wurden - etwa Tempolimits oder Straßenverengungen. Von Bund und Autoindustrie vereinbarte Maßnahmen wie neue Abgas-Software für ältere Diesel und Prämien für den Kauf sauberer Neuwagen reichten nicht aus. Gebraucht würden auch Umbauten an Motoren. „Nur so können wir die Gesundheitsbelastungen schnell und vor allem dauerhaft senken", betonte Krautzberger.

Städte in Westfalen ebenfalls mit Rückgängen

Den vorläufigen Daten zufolge haben im vergangenen Jahr 37 Städte den Grenzwert sicher überschritten. Dazu gehören in Westfalen die Städte Dortmund (50), Hagen (48) und Gelsenkirchen (46), die allerdings ihre Werte im Vergleich zum Vorjahr leicht senken konnten. Bei weiteren 29 Städten liegen für 2017 nur geschätzte Werte vor, da es dort keine vollautomatischen Messstationen gibt. Dazu gehören auch die Städte Bielefeld und Paderborn, die die Werte von 2016 (49 beziehungsweise 50 Mikrogramm pro Kubikmeter) wahrscheinlich noch leicht unterschritten haben, die aber noch über den Grenzwert zum Schutz der Gesundheit liegen. In Halle/Westfalen (41) hingegen wird mit einer Unterschreitung des Grenzwerts gerechnet.

Potsdam als Vorbild

Die Städte Marburg und Potsdam gehören zu zehn Messorten, die den Wert von 40 belegbar unterschritten haben. Marburg reduzierte den Stickstoffdioxid-Wert von 47 auf 36 - Potsdam von 43 auf 34. Die letztere Stadt hatte mit einem umstrittenen Modellprojekt die Fahrspuren und Tempolimits reduziert und so auf die überhöhten Werte von 2016 reagiert.

Verhandlung über Diesel-Fahrverbote Ende Februar

Politik und Autobranche wollen Diesel-Abgase reduzieren, um drohende Fahrverbote zu vermeiden. Der EU-Kommission reichen die bisherigen Anstrengungen für saubere Luft nicht aus, sie könnte Deutschland beim Europäischen Gerichtshof verklagen. Ende Februar steht zu möglichen Fahrverboten auch eine Verhandlung beim Bundesverwaltungsgericht an. Die deutschen Autobauer hatten bei einem Dieselgipfel der Bundesregierung im Sommer 2017 unter anderem Software-Updates bei zusätzlichen 2,8 Millionen Autos zugesagt. Der Bund hat daneben einen Fonds von bis zu einer Milliarde Euro aufgelegt, um Maßnahmen in Kommunen zu fördern. Über mögliche weitere Maßnahmen sprechen Union und SPD auch in ihren Koalitionsverhandlungen.

Werte in Westfalen (Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bei Stickstoffdioxid)

Dortmund: 2017: 50 (2016: 51); Hagen: 2017: 48 (2016: 51); Gelsenkirchen: 2017: 46 (2016: 48); Bochum: 2016: 50 (2017: über 40);  Paderborn: 2016: 50 (2017: über 40); Bielefeld: 2016: 49  (2017: über 40); Siegen: 2016: 48 (2017: über 40); Herne: 2016: 45 (2017: über 40); Schwerte: 2016: 44 (2017: über 40); Dinslaken: 2016: 43 (2017: über 40); Halle/Westfalen: 2016: 41 (2017: unter 40)

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