Ehec-Keim offenbar identifiziert
Bild: dpa
Den Ehec-Erreger, der derzeit in Deutschland grassiert, haben Prof. Helge Karch vom Institut für Hygiene der Universität Münster und sein Team identifiziert.
Bild: dpa

Forscher der Universität Münster haben nach eigenen Angaben den Darmkeim identifiziert, der die lebensgefährliche Ehec-Darmerkrankung auslöst. Dabei handele es sich um eine seltene und veränderte Variante des Erregers, die gegen viele Medikamente resistent geworden sei, hieß es in der ARD-Sendung "Tagesthemen" am Mittwochabend. "Wir müssen jetzt prüfen, ob es noch weitere Veränderungen gibt, die ihn so gefährlich machen, die die Ursache sind für seine hohe Virulenz", sagte der Mikrobiologe Prof. Helge Karch. Er leitet das Konsiliarlabor für das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Den Angaben zufolge ist die nun identifizierte Erreger-Variante einer von "42 repräsentativen Ehec-Typen", die seit 1996 in Deutschland bei Patienten aufgetreten ist.  

Nun werde nach Angaben des Klinikums an einem Testverfahren gearbeitet, mit dem bei Patienten mit Verdachtsfällen eine schnelle Bestätigung der neuen Erregervariante durchgeführt werden soll.

Der derzeitige Ausbruch von EHEC-Infektionen ist nach Einschätzung der Experten der Uni Münster sehr ungewöhnlich. Der dafür verantwortliche Darmkeim sei zwar bekannt gewesen, doch weltweit habe er noch nie einen Ausbruch der Durchfall-Krankheit verursacht. Das habe die Wissenschaftler überrascht, sagte Karch. Auch Prof. Georg Peters, der die Patienten am Universitätsklinikum Münster behandelt, verwies auf Besonderheiten: Ungewöhnlich sei, dass viele Erwachsene erkranken und drei Viertel von ihnen Frauen seien, vor allem jüngere. Bei Frauen gebe es auch häufiger Krampfanfälle als bei Männern. Außerdem sei bei ihnen die Zeit zwischen dem anfänglichen Durchfall und dem bedrohlichen HUS-Syndrom kürzer als bei Männern.

Träger: Salatgurken aus Spanien

Das Hamburger Hygiene-Institut hat derweil Salatgurken aus Spanien als Träger der gefährlichen EHEC-Erreger identifiziert. Das teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Hamburg mit. Bei drei Gurken aus Spanien sei der Erreger eindeutig festgestellt worden. Die Ergebnisse sollten bei weiteren Messungen überprüft werden. "Informationen zu Herkunft und weiteren Details werden jetzt zusammengestellt." Die Studie sei bislang nur in Hamburg erfolgt und habe nur bedingten Aussagewert für andere betroffene Orte, sagte die Senatorin "Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen."

Gemüsehändler beklagen Einbußen

Die tagelange Debatte über Gemüse als Auslöser für die grassierenden Durchfallerkrankungen kostet die Landwirte viel Geld. "Die Erzeuger haben jetzt schon erhebliche finanzielle Einbußen", sagte der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb, am Donnerstag in Münster. Das Robert-Koch-Institut in Berlin und andere Experten hatten zunächst mit Gülle verunreinigtes Gemüse und Obst als mögliche Träger des Darmkeims EHEC genannt.  Die Vermutung sei von Anfang an äußerst zweifelhaft gewesen, sagte Rüb. Es gebe so gut wie keine Profi-Betriebe, die Salat, Gurken und Tomaten gleichzeitig anbauen würden. Zudem gebe es derzeit keine Gurken und Tomaten vom Freiland. "Die kommen aus dem Glashaus und werden mit Sicherheit nicht mit Gülle gedüngt." Freilandsalat gebe es zwar schon. Gülle werde aber nicht auf die Salatköpfe gespritzt. "Das ist so unsinnig, dass es nicht mal verboten ist."

SOCIAL BOOKMARKS