Einstellung des Hagener NS-Prozesses beantragt
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Siert Bruins ist wegen der Tötung eines niederländischen Widerstandskämpfers im Jahr 1944 angeklagt.
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Das Gericht ordnete daraufhin ein medizinisches Gutachten an.

Der angeklagte Siert Bruins soll 1944 als Mitglied des Grenz- und Sicherheitsdienstes in Delfzijl gegenüber Emden an der Erschießung eines niederländischen Widerstandskämpfers beteiligt gewesen sein. Die Anklage lautet auf Mord. Bruins war bereits 1980 wegen Beihilfe zum Mord an zwei jüdischen Brüdern zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Wegen des angegriffenen Gesundheitszustandes war die Verhandlungsdauer von Prozessbeginn an auf drei Stunden begrenzt worden.

Ein Gutachter soll jetzt herausfinden, ob Bruins tatsächlich dem Prozess nicht mehr folgen kann und möglicherweise eine Demenzerkrankung bei ihm voranschreitet. Am 22. November soll der Sachverständige vor Gericht das Ergebnis vorstellen. Kommt er zu dem Schluss, dass der Angeklagte geistig nicht mehr in der Lage ist, dem Prozess vernünftig zu folgen, könnte das die Einstellung des Verfahrens zur Folge haben. Möglicherweise würde auch ein zweites Gutachten angefordert.

Um sich ein erstes Bild zu verschaffen, bat das Gericht spontan die beiden Söhne von der Zuschauerbank in den Zeugenstand. Sie berichteten, dass ihr Vater in den vergangenen Wochen deutlich abgebaut habe. Der Verteidiger Klaus-Peter Kniffka betonte, sein Mandant wisse inzwischen nicht mehr, warum er vor Gericht stehe. Zuletzt habe er einen niederländischen Zeugen mit einem Verwandten verwechselt.

Vor dem nächsten Verhandlungstag am 22. November fährt die Strafkammer in die Niederlande. Dort soll die betagte Schwester des Opfers zu den damaligen Geschehnissen befragt werden. Sie ist nicht mehr in der Lage in Hagen auszusagen. Die Befragung durch niederländische Beamte soll später ins Deutsche übersetzt und dann vor Gericht verlesen werden.

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