Elmar Brok tritt nicht wieder an
Elmar Brok (CDU) will nicht um sein Mandat im Europaparlament kämpfen und scheidet damit voraussichtlich nach fast 40 Jahren aus.

Seine Frau, mit der Brok seit 48 Jahren verheiratet ist, und die Kinder hätten seine Arbeit „getragen und ertragen - sieben Tage in der Woche“. „Nun soll es gut sein“, heißt es in einer Stellungnahme Broks und weiter: „Ich werde einen neuen Arbeitsrhythmus finden und weiter fokussierter für Europa und die CDU kämpfen.“ Ausdrücklich bedankt sich Brok bei der CDU in Ostwestfalen Lippe, die ihn über Jahrzehnte getragen habe, „sowie dem Bezirksvorsitzenden Ralph Brinkhaus und Ministerpräsident Armin Laschet“.

„Unglaubliches Glück“

Brok bezeichnete es gegenüber der „Glocke“ als „unglaubliches Glück“, an historischen Entscheidungen zur europäischen Einigung mitgewirkt zu haben. Er habe an allen Vertragsverhandlungen seit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 in entscheidender Funktion teilgenommen, betonte der Ostwestfale. Auch dass es für den deutschen Einigungsvertrag 1990 im EU-Parlament eine größere Mehrheit gab als im Bundestag, zählt der erfahrene EU-Politiker zu den Sternstunden.

Auf Gemeinsamkeiten setzen

Für die Zukunft Europas wünscht sich der 72-Jährige, „dass in den europäischen Hauptstädten die Erkenntnis wächst, dass man sich nur gemeinsam behaupten kann“. Den Nationalismen müsse entgegengewirkt werden, damit „wir nicht wieder im Jahr 1914 (Beginn des Ersten Weltkriegs, die Redaktion) ankommen“. Würden der gemeinsame Binnenmarkt zerstört und Grenzen geschlossen, werde Deutschland ein armes Land, prophezeite Brok. Nicht von ungefähr habe der frühere französische Staatspräsident François Mitterrand gesagt: „Nationalismus bedeutet Krieg.“

Brok will präsent bleiben

Brok versprach, als Vortragsredner und Gesprächspartner weiter in der Fläche präsent zu sein. „So lange die Leute etwas von mir hören wollen, werde ich für Europa werben“, sagte er. Er empfinde es als befreiend, dass nun nicht mehr „die Pflicht zur Teilnahme an jedem Termin“ bestehe. „Ich werde künftig sehr viel mehr den Kopf frei haben“, betonte er gegenüber der „Glocke“.

Bedauern bei politischen Wegbegleitern

Politische Wegbegleiter reagierten mit Bedauern auf Broks Entscheidung. „Ich finde es schade. Wir hätten seine Erfahrung im EU-Parlament weiterhin gut gebrauchen können“, sagte der münsterländische CDU-Europaabgeordnete Markus Pieper. Für die Zukunft wünscht sich der 55-Jährige, „dass Elmar Brok uns weiter mit Rat und Tat zur Seite steht“.

Die Christlich-Demokratische-Arbeitnehmerschaft (CDA) Ostwestfalen-Lippe dankte Brok „für seine herausragende kompetente Arbeit für die Menschen in Europa, für seinen Einsatz für eine starken europäischen Einheit“. „Wir sagen Dank für seinen großartigen Einsatz überall in der Welt, für tausende Termine und Gespräche hier bei uns in der Region“, betonte die Bezirksvorsitzende Angelika Gemkow. Brok habe seine Parteifreunde immer wieder davon überzeugt, dass es nur mit Europa Frieden, Sicherheit und Wohlstand geben werde. Gemkow weiter: „Wir haben viel von ihm gelernt, Demokratie zu leben und die Menschen dabei mitzunehmen. Wir wollen mit ihm weiter daran arbeiten.“

Ursprünglich hatte sich Brok bei der Europawahl im Mai erneut zur Wahl stellen wollen, der Vorstand seines Landesverbands Nordrhein-Westfalen schlug ihn aber nicht wieder für die Landesliste vor. Brok hielt sich daraufhin zunächst eine Kampfkandidatur um einen der ersten sechs Listenplätze bei der Landesvertreterversammlung der NRW-CDU am kommenden Samstag offen.

Dienstältester Europaabgeordneter

Brok ist der dienstälteste Europaabgeordnete. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Parlamentarier im EU-Parlament galt Brok in Brüssel als einflussreicher Politiker. In Berlin wurde er als Unterstützer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wahrgenommen. Zuletzt hatte sich unter anderem EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker für seinen Verbleib im Europarlament stark gemacht.

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