Entspannter Hochgenuss mit schwarzen Scheiben
Bild: Evers
Plattenfan Herbert Linnemann mit einem original-signierten Album von Paul McCartney.
Bild: Evers

Abgrundtiefe Töne wabern durch Linnemanns Wohnzimmer in Münster-Hiltrup, darüber legt sich sanft die zarte Stimme der US-Sängerin Norah Jones. Linnemann schaut sein Gegenüber mit einem Schmunzeln im Gesicht an: „Eine solche Dynamik erreichen sie nur bei Plattenaufnahmen“, sagt er. Linnemann weiß, wovon er spricht: Auch beruflich dreht sich bei ihm seit Jahrzehnten alles um die scharzen Scheiben. Er ist Verkäufer in einem Hifi-Geschäft in Hamm.

Kunstvolle Cover

CDs hört Linnemann schon lange nicht mehr. Nur digitale Aufnahmen in allerhöchster Qualität aufgenommen und über entsprechende hochwertige Technik wiedergegeben kommen seiner Ansicht nach annähernd an den Plattenklang heran.

Das Grammophon, Vorläufer des modernen Plattenspielers, wird am Mittwoch 125 Jahre alt: Am 26. September 1886 meldete der Erfinder Emil Berliner in den USA das Patent dafür an.
Aber Linnemann legt nicht nur auf den Klang wert – ihm ist auch die besondere Anmutung der Platten wichtig. „Schauen sie sich alleine die aufwändig gestalteten, kunstvollen Cover an“, sagt er. Besonders stolz ist er auf eine Plattenhülle mit dem kunstvoll geschwungenen Autogramm von Paul McCartney.

Der Musikliebhaber gibt zu, dass zum Platten-Hören reichlich Muße gehört. Linnemanns Empfehlung: abends, nach 22 Uhr, wenn die Kinder schlafen, dazu vielleicht ein Glas Rotwein. „Dann kann es ein entspannter Hochgenuss werden“, sagt er.

Knistern und Kratzer schrecken Linnemanns nicht auf. Die Musik, die in seinem Wohnzimmer zu hören ist, kommt glasklar aus den Lautsprecherboxen. Hin und wieder könne sich aber tatsächlich einmal eine Knackser auf die Aufnahme schleichen, gibt der Hörexperte zu. Ihn störe das aber nicht weiter - das sei wie Patina auf einem wertvollen Möbelstück.

Ersten Plattenspieler mit zwölf Jahren gekauft

Seinen ersten Schallplattenspieler hat der gebürtige Neubeckumer mit zwölf Jahren gekauft – „einen gebrauchten Telefunken für 100 Mark“. Das erste Album war von der britischen Bluesrock-Bank „Ten Years After“. Ziemlich schnell habe er dann 100 Platten gehabt, erinnert sich Linnemann. Parallel zum weiteren Wachstum der Plattensammlung habe er auch immer wieder neue Plattenspieler gekauft. Heute stehen in seinem Haus tausende Platten und eine Vielzahl klangvoller Hifi-Geräte. Linnemann: „Andere geben ihr Geld für Autos aus – ich eben für die Schallplatte.“

Was ein DJ über die Schallplatte denkt, Hintergründe zur Haltbarkeit und zur wirtschaftlichen Bedeutung der LPs lesen Sie in der Mittwochausgabe der „Glocke“ und des „Ahlener Tageblatts“.

SOCIAL BOOKMARKS