„Envio“-Prozess wird doch fortgesetzt
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Keine Unterbrechung wird es im „Envio-Prozess„ geben. Das entschied am Dienstag das Landgericht Dortmund.
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Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wollte das Gericht zunächst einen neuen medizinischen Gutachter beauftragen. Gleichzeitig sollte das Strafverfahren gegen den Ex-Geschäftsführer und drei weitere Manager des Recycling-Unternehmens ausgesetzt werden. Doch am Dienstag kam es anders. 

Dreh- und Angelpunkt im Prozess ist die Frage, ob eine Körperverletzung der Mitarbeiter des Dortmunder Entsorgerunternehmes vorliegt. Bei 51 von ihnen wurden erhöhte Werte des krebserregenden PCB gefunden. Eine weitere Untersuchung der ehemaligen Angestellten sollte Klarheit darüber verschaffen, ob ein Zusammenhang zwischen den erhöhten PCB-Werten im Blut und Krankheiten hergestellt werden kann.

Staatsanwaltschaft lenkt ein

Am Dienstag ruderte die Staatsanwaltschaft zurück. Laut Gerichtssprecher, habe sie einen neuen Sachverständigen zum Thema befragt. Mit dem Ergebnis, dass ein solcher Zusammenhang nicht nachgewiesen werden kann. Jetzt sollen alle Zeugen erneut verhört werden.

Weitere Prozesstage sind noch nicht konkret geplant. Der nächste Termin ist für den 17. Oktober geplant. Der Verhandlungstag am 5. Oktober sei ausgesetzt worden, hieß es.

Einer der größten Umweltskandale

Zum Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Geschäftsführer und drei weiteren angeklagten Managern vor, Angestellten bewusst dem Umweltgift ausgesetzt zu haben. Der frühere Geschäftsführer und drei Ex-Manager der inzwischen insolventen Envio Recycling GmbH sollen aus Gewinnsucht die Gesundheit der Mitarbeiter in Gefahr gebracht haben, indem sie diese ungeschützt mit dem hochgiftigen Kühl- und Isolierungsmittel PCB hantieren ließen. Dutzende Mitarbeiter erlitten schwere Vergiftungen, das Firmengelände im Dortmunder Hafen gilt als kontaminiert.

Der Fall, der sich zwischen 2006 und 2010 ereignete, zählt zu den größten deutschen Umweltskandalen der vergangenen Jahre. PCB in hoher Konzentration ist krebserregend.

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