Erzieher fordern angemessene Bezahlung
Bild: Kutzendörfer

Rund 2000 Erzieher haben am Montag in Münster für mehr Wertschätzung ihres Berufsstands und eine Zuordnung zu höheren Entgeltgruppen demonstriert. Nach einer Kundgebung vor dem Sitz des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zogen sie zu dem Hotel am Bahnhof, in dem die zweite Tarifverhandlungsrunde stattfand.

Bild: Kutzendörfer

Ihr Ziel: Das Hotel am Bahnhof als Ort der zweiten Verhandlungsrunde für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. Vor dem Sitz des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe am Freiherr-vom-Stein-Platz hatten sich am Morgen die Kinderpfleger, Erzieher und Sozialarbeiter versammelt.

Die meisten von ihnen waren aus den Verdi-Bezirken Münsterland und Bielefeld-Paderborn angereist, wie Michael Wiese, Landesfachbereichsleiter Gemeinden bei Verdi NRW, während der Kundgebung feststellte. „Die beruflichen Anforderungen haben sich im Vergleich zu früher stark verändert“, kam Wiese auf den Anlass der Demo zu sprechen.

Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund, Gewalt in Familien, Kindesmissbrauch – das alles seien Themen, mit denen Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst heutzutage konfrontiert seien. „Das spiegelt sich aber nicht mal im Ansatz in der Bezahlung wider.“

60 Prozent arbeiten in Teilzeit

Zudem arbeiteten 60 Prozent aller Erzieher in Teilzeit, Arbeitgeber böten keine vollen Stellen an, damit sie flexibel auf jede Entwicklung reagieren könnten. „Die Monatseinkommen reichen nicht zum Leben“, rief Wiese in die Menge: „Es droht sogar Altersarmut.“ Sein Publikum bestätigte das mit schrillen Pfiffen.

„Wir arbeiten schon lange in unserem Beruf, die Arbeit hat sich immer mehr verdichtet“, sagten Christina und Gabriele, die in leitender Funktion in einer Bielefelder Kita arbeiten. „Wir sind mit Herzblut dabei, wir lieben die Kinder. Unser Engagement wird vorausgesetzt.“ Finanzielle Auswirkungen habe das aber nicht. „Alle Leute sagen: Kinder sind unsere Zukunft. Warum werden wir dann nicht mit Grundschullehrern gleichgesetzt?“ Die beiden Frauen bangen auch um die Zusatzrente für kommunale Angestellte. Sie soll gekürzt werden.

„Soziale Berufe müssen aufgewertet werden“, meinte auch Hans-Jürgen Gneist, der in einer Kita in Münster beschäftigt ist. „Unsere Kinder- und Jugendarbeit hier vor Ort ist sehr gut, die Stadt propagiert das auch.“ Dann solle sich das auch finanziell niederschlagen.

„Experten gibt es nicht für lau!“ und „Da hilft kein Stuhlkreis mehr. Kohle muss her!“ hatten die Streikenden auf Plakate geschrieben, die sie über den Prinzipalmarkt bis zum Hotel am Bahnhof trugen, in dem die Tarifverhandlungen stattfanden.

Den Artikel sowie ein Interview mit Onno Dannenberg, Verdi-Verhandlungsführer und Tarifexperte für den öffentlichen Dienst, lesen Sie in der Dienstagausgabe der „Glocke“.

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