Ex-Bundeswehr-Ausbilder sagt nicht aus
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Vor dem Amtsgericht in Ahlen muss sich seit Dienstag ein früherer Bundeswehr-Ausbilder (l.) verantworten. Er soll Untergebene unter anderem misshandelt und entwürdigend behandelt haben. Rechts: sein Anwalt Andreas Steffen.
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Die Anklage wirft dem Mann Körperverletzung, Nötigung, Misshandlungen und entwürdigende Behandlung von Untergebenen sowie Missbrauch der Befehlsbefugnis vor. All dies trug der Staatsanwalt zu Prozessbeginn noch einmal vor. Der 30-jährige Angeklagte kündigte über seinen Anwalt an, sich vorerst nicht zu den Vorwürfen zu äußern.

Offenbar war eine Abschlussfeier des Zuges, die in der Nacht vom 23. Auf den 24. November 2016 im Vereinsheim der DJK Vorwärts Ahlen stattfand, deftig aus dem Ruder gelaufen. Der aus Sachsen stammende Feldwebel hatte sich schon länger in eine junge Soldatin verguckt, die nicht zu seinem Zug gehörte. Einen Schützen seines Zuges, der die Kameradin gut kannte, hatte er zuvor aufgefordert, die Frau „für ihn klar zu machen“. Er soll gefordert haben: „Ich will sie als Zuggeschenk. Ich will sie zu Hause auf dem Sofa haben.“

Tatsächlich war sie dann als einzige Frau zu der Feier eingeladen worden. Der Alkohol floss in Strömen. Irgendwann legte der Angeklagte der Soldatin den Arm um die Schulter und leckte ihr über die Wange mit den Worten: „Was ich anlecke, ist meins.“ Dabei soll er wieder gesagt haben, sie sei sein schönstes Zuggeschenk.

All das bestätigte die 18-jährige Soldatin gestern im Zeugenstand. Allerdings habe sie das nicht als lästig, sondern als lustig empfunden. Auf die Frage der Richterin, ob es ihr sogar gefallen habe, wich sie aus. Intime Fragen beantwortete sie erst, als das Gericht die Öffentlichkeit vorübergehend ausschloss.

Wenig erhellend waren auch die Aussagen der anderen Zeugen. Boxhiebe in die Genitalien, demütigende Behandlungen, Beleidigungen, durch Befehl erzwungener unmäßiger Alkoholkonsum: Alles halb so schlimm, so die in der Anklage als Opfer genannten Soldaten. Sehr schleppend und ausweichend kamen die Antworten. Riesige Gedächtnislücken taten sich auf.

Das alles stand in krassem Widerspruch zu den Aussagen, die die Zeugen nur wenige Tage nach der Zugfeier vor ihrem damaligen Kompaniechef und dessen Stellvertreter gemacht und unterschrieben hatten. Diese beiden Offiziere brachten die Strafverfolgung des Feldwebels schließlich in Gang. Auch sie sagten gestern vor Gericht als Zeugen aus und wirkten dabei wesentlich klarer und stringenter als einige ehemalige Rekruten.

Doch gerade auf den stellvertretenden Kompaniechef schoss sich der Rechtsanwalt des Angeklagten in seiner Verteidigungsstrategie ein. Auf dessen Vernehmungen führte der Anwalt die Ungereimtheiten der anderen Zeugenaussagen zurück. Er habe Suggestivfragen gestellt, habe Widersprüche zwischen Erlebtem und Gehörtem nicht herausgearbeitet. Er habe einen Namen verwechselt und die Vernehmungsprotokolle nicht ordnungsgemäß unterschreiben lassen. Deshalb beantragte der Rechtsanwalt, dass diese Vernehmungen im Strafverfahren nicht verwertet werden dürfen.

Der Prozess wird am 3. Juli mit einem Dutzend weiterer Zeugen fortgesetzt.

Soldat darf keine Uniform mehr tragen

Der Soldat, der den Dienstgrad des Feldwebels bekleidet, darf keine Uniform mehr tragen. „Das machen wir nicht bei kleinen Verstößen“, erklärte damals Hauptmann Martin Waltemathe, Presseoffizier der Panzerbrigade 21 in Augustdorf. Bereits im Herbst 2016 war der Angeklagte wegen seiner Verfehlungen von jeglicher Personalverantwortung entbunden worden.

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