Ex-Freundin mit Benzin übergossen: Haftstrafe
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Ein 50-Jähriger ist vom Landgericht Detmold zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte sich und seine Ex-Freundin im Dezember 2016 mit Benzin übergossen.
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Das Landgericht Detmold fällte am Freitag sein Urteil in einem reichlich ungewöhnlichen Fall. Der Bünder hatte im Dezember 2016 sich selbst und seine jetzt 39 Jahre alte Lebensgefährtin vor deren Haus im lippischen Kalletal mit Benzin übergossen und dieses anzünden wollen. Die Frau konnte dem 50-Jährgen das Feuerzeug wegnehmen – und rettete so beiden das Leben.

Mann wollte Trennung nicht akzeptieren

Auslöser für die Tat: Die Altenpflegerin hatte sich nach kurzer, stressiger Beziehung getrennt, der Partner aber wollte das nicht akzeptieren. Versuchter Mord lautete die Anklage vor dem Landgericht Detmold, die allerdings am zweiten Verhandlungstag so auch von der Staatsanwaltschaft nicht für zutreffend gehalten wurde.

Ein psychiatrischer Gutachter, der den 50-Jährigen untersucht hatte, kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt depressiv gewesen sei und tatsächlich in suizidaler Absicht gehandelt habe. Er messe aufgrund einer sehr schweren Kindheit mit Jahre langen Heimaufenthalten dem „familiären Beziehungsleben eine große Rolle“ zu – die Trennung und die der Tat unmittelbar vorausgegangene gescheiterte Aussprache hätten zu einer „akuten Belastungsreaktion“ geführt, auf die der 50-Jährige mit der Absicht reagiert habe, sich selbst umzubringen. Auch aufgrund der Einnahme eines starken Schmerzmittels müsse von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit ausgegangen werden.

Körperliche Attacken gegen Partnerin

Staatsanwalt Alexander Görlitz ging in seinem Plädoyer eben nicht mehr von einem Mordversuch an der Partnerin aus, sondern von einem versuchten Totschlag. Die Frau sei zwar zufällig ebenfalls mit Benzin aus dem Kanister übergossen worden, aber es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass der Angeklagte das Feuerzeug nicht habe betätigen können. Görlitz forderte eine Gesamtstrafe von vier Jahren und drei Monaten – der 50-Jährige hatte vor der Tat zwei Mal seine Partnerin körperlich attackiert.

Verteidiger Dr. Carsten Ernst plädierte auf Freispruch in dem Hauptvorwurf. „Er wollte sich umbringen, so dramatisch aus dem Leben scheiden, dass sich die Ex-Partnerin für diese Schlimmste aller Selbstmordarten schuldig fühlt.“ Es sei seinem Mandanten nicht darum gegangen, die Frau in diesen Untergang mit hineinzuziehen – also gehe es hier lediglich um einen versuchten Suizid.

Gesamtstrafe von 31 Monaten Haft

Das Schwurgericht hingegen folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft und verhängte für versuchten Totschlag und zweifache Körperverletzung eine Gesamtstrafe von 31 Monaten Haft. „Er wollte sterben, und in diesem Moment war es ihm egal, ob die Frau auch stirbt“, erklärte Richter Carsten Niemeyer. Der 50-Jährige habe jedoch aufgrund eines festen Jobs und seines bisher straflosen Lebenslaufs die Chance, die Haft im offenen Vollzug zu verbüßen.

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