Falscher Arzt: Drei Jahre Haft 
„Andere Leute haben Hobbys. Ich habe meinen Beruf“, schilderte der Angeklagte in einem Prozess vor dem Paderborner Amtsgericht um einen falschen Arzt.

Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten ist in Paderborn der Prozess gegen einen falschen Notarzt gestartet. Wie der 33-jährige Bochumer am Montag vor dem Amtsgericht einräumte, hatte er sich bei einer Vermittlungsplattform für Notärzte fälschlicherweise als solcher ausgegeben.

Er habe zwar jahrelange als Krankenpfleger gearbeitet, kann aber auch hier nur eine abgebrochene Ausbildung vorweisen, wie er zugab. Als Notarzt sei er dann im Frühjahr 2014 vier Tage lang in einer Rettungswache in Delbrück (Kreis Paderborn) im Einsatz gewesen.

Weil er dafür eine falsche Approbationsurkunde einreichte, warfihm die Staatsanwaltschaft Urkundenfälschung und unbefugtes Tragen der Berufsbezeichnung Arzt vor. Gefährliche Körperverletzung kam als Tatvorwurf dazu, weil er Patienten Venenzugänge gelegt und verschreibungspflichtige Medikamente zugeführt hatte. Zu Schaden war jedoch keiner der sechs Patienten gekommen.

Nach Ansicht des Angeklagten hatte er bei den Notfällen genau die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. „Ich mache seit etwa 15 Jahren Intensivpflege“, sagte der Angeklagte. Dabei ließ er an der Begeisterung für sein Fach keinen Zweifel: „Andere Leute haben Hobbys. Ich habe meinen Beruf“, schilderte er.

Angeklagter hatte schwere Depressionen

Die Ausbildung zum Krankenpfleger hatte er zweimal begonnen und einmal kurz vor dem Examen wegen schwerer Depressionen abgebrochen. Dass er dennoch als Fachpfleger tätig war, hatte ihm in der Vergangenheit bereits einmal eine Bewährungsstrafe eingebracht.

Warum er mit seiner Bewerbung als Arzt nun einen Schritt weiter ging, konnte er vor Gericht am Montag nicht begründen. „Das war völlig unsinnig“, sagte er. Der Richter wollte noch am Montag das Urteil fällen.

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