Fasten - bringt das wirklich was?
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Von Aschermittwoch bis Karfreitag ist Fastenzeit. Aber wie nachhaltig ist das Ganze?
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Frage: Fasten liegt im Trend. Viele wollen nach den Karnevalstagen der Völlerei abschwören, um im Sommer die Bikini-Figur zu haben. Kann das klappen?

Gellner: Es gibt gerade einen regelrechten Hype der suggeriert, dass Fasten das Mittel der Wahl ist, um Gewicht abzunehmen. Wenn man den Aschermittwoch als Anlass nehmen will, um nahrungstechnisch einen Gang zurückzuschalten, dann ist das aus Sicht von Ernährungsexperten grundsätzlich in Ordnung. Aus medizinischer Sicht sind Fastenzeiten sehr wünschenswert, weil man damit sehr viele Stoffwechselparameter günstig beeinflussen kann: den Fettstoffwechsel, den Blutdruck, den Glukosestoffwechsel. Fastenzeiten können aber lediglich der Startschuss sein, zu einer Optimierung des Lebensstils.

Kleine Schritte nehmen und langfristige Ziele setzen

Frage: Wie sieht Fasten idealer Weise aus? Wo liegen typische Fehler?

Gellner: Die meisten Menschen fasten zu kurz und wollen schnelle Effekte. Wenn man zehn oder vierzehn Tage eine Fastenkur macht, nimmt man kurzzeitig sehr schnell Gewicht ab, wenn auch nur wenige Kilo. Letztendlich ist Fasten ein selbstgewähltes Kaloriendefizit. Wenn man aber zu stark runtergeht mit den Kalorien, die man täglich zu sich nimmt, nimmt man irgendwann gesundheitlichen Schaden. Deswegen sind viele kleine Schritte und langfristige Ziele der eigentliche Weg.

Frage: Was genau passiert bei kurzzeitigem Fasten?

Gellner: Gerade zu Beginn einer Diät läuft alles prima. Aber: Da nimmt man hauptsächlich zunächst Nährstoffe wie Kohlenhydrate oder auch Salz ab, das ja Wasser und damit Gewicht im Körper bindet. In der ersten Zeit verliert man deshalb schnell zwei bis vier Kilo. Das ist aber nicht das erwünschte Fett, das sich da reduziert. Die eigentliche Fettabnahme beginnt erst ab einer Woche. Und da wären zum Beispiel schon hundert Gramm Abnahme pro Tag sehr viel. Schon für diese geringe Abnahme müssen sie rund 700 Kalorien pro Tag einsparen. Umgekehrt läuft das leider auch nach der Diät: Wenn sie wieder ganz normal essen, nehmen sie innerhalb von ein paar Tagen diese zwei bis vier Kilogramm wieder zu. Das ist dann der berüchtigte Jojo-Effekt.

Dr. Reinhold Gellner ist Oberarzt für Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin in der Medizinischen Klinik B am Universitätsklinikum Münster. 

Frage: „Beschummeln“ sich die Leute nicht manchmal selbst?

Gellner: Das ist sicher so. Wenn sie nichts essen, knurrt ihnen der Magen – der Körper merkt, es ist etwas nicht in Ordnung. Und dann fängt er an, uns mit allen Mitteln, die ihm zu Verfügung stehen, auszutricksen. Und wir gehen darauf ein. Man will sich nach den ersten Erfolgen belohnen. So kommt es, dass man sich zwar nach allen Regeln der Kunst gesund ernährt, wir aber zugleich Ausflüchte erfinden. Man denkt: „Ich war heute so gut, da kann ich heute Abend etwas mehr essen. Mal ein leckeres Stück Käse oder auch ein alkoholfreies Bier…“ Sodass die Diät häufig da endet, wo die Menschen glauben, sie machen noch Diät, aber sich auf der anderen Seite belohnen. Im Nettoeffekt machen sie dasselbe wie vorher. Trotzdem haben sie das aufrichtige Gefühl, sie machen noch Diät. Der Körper hat beim Gewicht eine Schwankungsbreite von drei Prozent: Innerhalb dieser Spanne kann man noch nicht von einer dauerhaften Ab- oder aber auch Zunahme reden.

Nur dauerhafte Umstellung bringt Erfolg

Frage: Wie soll man es also anstellen, nachhaltig abzunehmen?

Gellner: Niemand muss sich sklavisch an eine Diät halten. Sie können heraussuchen, was Ihnen an Ernährungsform zusagt – solange sie unterm Strich weniger Kalorien aufnehmen. Das ist die gute Nachricht. Bei extremen Fasten-Formen laufen sie ohnehin das Risiko, dass sie nicht lange durchhalten und es ungesund wird.

Frage: Nach der Diät darf es also nie mehr ein „zurück zum Normalen“ geben?

Gellner: Das bestätigen leider viele Studien. Es ist nicht damit getan, sich eine Zeit lang zusammenzureißen. Und das ist die schlechte Nachricht. Alle Diäten haben auf lange Sicht einen typischen Effekt: Das Gewicht geht runter – und dann geht es wieder rauf. Und man weiß nicht – geht es vielleicht durch die Diäten sogar höher? Manchmal geht es nicht zurück auf das alte Niveau, andere wiederum erleiden den Jojo-Effekt. Die Leute, die es mit einer Diät schaffen, abzunehmen, haben gesundheitlich Vorteile. Die Chance sollte man mit einem Versuch auf jeden Fall nutzen. Aber es gibt auch Leute, da ist es danach schlechter als vorher.

Frage: Sind Diäten also sinnlos?

Gellner: Die Frage ist erlaubt. Wir kennen den goldenen Weg zum Ziel nicht! Werden wir gefragt, empfehlen wir natürlich bei erkennbarer Motivation eine gesündere Ernährung zur Gewichtabnahme. Wir können jedoch nicht voraussagen, wer es schafft. Es ist vieles eine Frage der Psyche. Und selbst die beziehen wir ja bei unseren Patienten durch begleitende Beratung oder sogar durch eine kognitive Verhaltenstherapie mit ein. Insgesamt bedeutet das: Es kann funktionieren – aber es muss nicht. Sehen Sie es so: Fasten kann der Beginn einer Besserung der persönlichen Ernährung sein. Man muss sich nur im Klaren sein, dass am Ende nur eine andauernde und lebenslange Lebensstil-Änderung helfen kann.

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