Finke: „Wir kriegen noch die Kurve“
Paderborns Präsident Wilfried Finke hält vorerst an Trainer Stefan Effenberg fest. Im „Glocke“-Interview zeigt er sich überzeugt, dass die Mannschaft unter „Effe“ die Klasse halten wird.

„Die Glocke“:  Sie haben Stefan Effenberg eine Jobgarantie bis Ende Februar gegeben. Gilt die unabhängig vom Ausgang des Derbys am Sonntag in Bielefeld?

Finke: Ja, absolut. Wir haben eine Absprache unter Männern getroffen, bis Ende Februar passiert nichts. Also wird Stefan Effenberg auch im darauffolgenden Spiel gegen Leipzig auf der Bank sitzen.

„Die Glocke“:  Die Gefahr ist groß, dass Ihnen die Entscheidung, mit Stefan Effenberg einen Trainer-Neuling geholt zu haben, um die Ohren fliegt.

Finke: Damit muss man als Entscheider leben. Ich schätze Effenbergs Einsatzbereitschaft, Akribie und Kampfgeist. Auch aufgrund seiner eigenen Karriere als Spieler bringt er ideale Voraussetzungen mit, ein guter Trainer zu sein. Letztlich zählen Ergebnisse, daran muss sich jeder messen lassen. Aber ich glaube daran, dass er und wir noch die Kurve kriegen.

Die Glocke“:  Vor gut einem Jahr stand der SC Paderborn noch relativ gut da in der 1. Bundesliga, jetzt droht der Absturz in die 3. Liga. Kommen Sie sich manchmal vor wie im falschen Film? 

Finke: Ja, das kann man so sagen.

„Die Glocke“:  Was ist schiefgelaufen seit dem vergangenen Sommer?

Finke: Man kann uns Verantwortlichen den berechtigten Vorwurf machen, dass wir die Situation nach dem Abstieg unterschätzt haben. Wir haben lange nicht an die Möglichkeit gedacht, auch in der 2. Liga in Abstiegsgefahr zu geraten, zumal wir von der Qualität der Neuverpflichtungen überzeugt waren. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die Neuen mehr Zeit brauchen als geplant und dass es vielen Spielern aus dem letztjährigen Bundesliga-Kader nicht gelungen ist, sich gedanklich der 2. Bundesliga anzupassen.

„3. Liga wäre ein kolossaler Rückschritt“

„Die Glocke“:  Ein Kopfproblem also?

Finke: In erster Linie ja. Darüber hinaus gab es ja bekanntermaßen ein paar Turbulenzen innerhalb der Mannschaft, die auch nicht gerade dazu geführt haben, die optimale Leistung zu bringen. Mit der Suspendierungen von Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic kurz vor Weihnachten hatten wir auf einen Hallo-wach-Effekt gehofft. Leider vergeblich, wie sich gezeigt hat.

„Die Glocke“:  Es gab einige Irritationen um diese Suspendierungen. Was haben die Drei sich konkret zu Schulden kommen lassen?

Finke: Sie haben die 2. Liga in keinster Weise angenommen, wollten Zauberfußball spielen und mit dem Schiedsrichter diskutieren, anstatt sich körperlich so einzubringen, wie es in der 2. Liga nötig ist.

„Die Glocke“:  Wie schlimm würde den SC Paderborn der Abstieg in die 3. Liga treffen?

Finke: Es wäre ein kolossaler Rückschritt in allen Bereichen. Wir haben gerade das neue Trainingszentrum eingeweiht, das ist bundesligareif. Die finanziellen Einbußen wären im Abstiegsfall enorm. Alleine die TV-Einnahmen würden von jetzt knapp 10 Millionen Euro auf etwa 800.000 Euro sinken. Wir müssen also auf allen Ebenen sparen und wären aus rein finanzieller Sicht nicht zum engsten Kreis der Aufstiegsanwärter zu zählen. Allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass uns die 3. Liga nicht erledigen würde.

„Die Glocke“:  Bereiten Sie sich konkret auf den Abstiegsfall vor?

Finke: Ja. Als Drittletzter der 2. Liga müssen wir selbstverständlich auch den Lizenzantrag für die 3. Liga stellen – mit sehr konkreten Zahlen, versteht sich. Die werden gerade erarbeitet.

„Die Glocke“:  Haben Sie es schon bereut, nicht wie ursprünglich geplant, im November vergangenen Jahres als Präsident zurückgetreten zu sein?

Finke: Sicherlich gab es Augenblicke, in denen ich daran gedacht habe. Schließlich haben wir gerade mit dem einem Jahr in der 1. Bundesliga den Höhepunkt der Vereinsgeschichte erlebt. Aber ich bin nicht der Typ, der in schlechten Zeiten davonrennt.

„Die Glocke“:  Was erwarten Sie vom Derby am Sonntag in Bielefeld?

Finke: Dass wir ein Tor mehr schießen als Arminia. Aber es wird ein extrem schwieriges Spiel, weil wir uns eigentlich keine weitere Niederlage erlauben können, und Bielefeld ein sehr unbequemer Gegner ist.

„Die Glocke“:  Werden Sie im Stadion sein?

Finke: Nein, ich bin noch im Urlaub auf Mallorca, werde dann aber im Saison-Endspurt wieder da sein.

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