Folteropfer erkennt Peiniger in Münster
Der Angeklagte Ibrahim A. (41,l.) e soll als Stadtteilkommandant der Freien Syrischen Armee in Aleppo an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein. Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf wird ihm der Prozess gemacht. Der mutmaßliche Milizenführer, im Bild mit seinem Anwalt Martin Heising,  war im April 2016 in Münster festgenommen worden.

In Aleppo habe er monatelang eine grausame Schreckensherrschaft in einem der Stadtviertel ausgeübt, Gefangene entführt und tagelanger Folter ausgesetzt, berichtete die Bundesanwaltschaft. Mehrere Gefangene seien dabei ums Leben gekommen. In einigen Fällen habe er auch selbst gefoltert. Zu den Vorwürfen wolle sich sein Mandant derzeit nicht äußern, sagte Verteidiger Martin Heising beim Prozessauftakt. „Wir haben in den Aussagen der Zeugen erhebliche Widersprüche entdeckt.“ Es handele sich um ein komplexes Verfahren, das Jahre dauern könne. Die Zeugen lebten verteilt über mehrere europäische Länder. Am 6. April 2016 hatte eine Spezialeinheit den Verdächtigen in Münster festgenommen.

Miliz für Folter verantwortlich

Die Bundesanwaltschaft schilderte zum Prozessauftakt die Folterpraktiken, für die der in Aleppo geborene Angeklagte und seine Miliz verantwortlich sein sollen. Sein Unwesen habe der Mann unter dem Kampfnamen „Abu Dhib“ („Vater des Wolfes“) getrieben. So habe die Miliz, die der Freien Syrischen Armee angehört habe, Leute auf der Straße entführt, an Ketten gefesselt an die Decke gezogen und tagelang mit Eisenstangen, Knüppeln, Kabeln und Schläuchen zum Teil bewusstlos geprügelt. Messer und Elektroschock-Stäbe hätten bei den Opfern bleibende Narben hinterlassen. Dabei sei auch ein klappbarer Foltertisch zum Einsatz gekommen, der „Fliegender Teppich“ genannt worden sei. Den Opfern sei vorgeworfen worden, vom Islam abgefallen, ungläubig, Kurde, oder ein Spion oder Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu sein. Die überlebenden Opfer seien freigelassen worden, wenn Angehörige ausreichend Lösegeld gezahlt hätten oder wenn sie sich verpflichtet hätten, für die mit Kalaschnikows bewaffnete Miliz zu arbeiten. Die Wohnungen der Opfer seien geplündert worden. Im Fall der beiden Folteropfer, die starben, sollen diese so schwer misshandelt worden sein, dass der ganze Raum voll Blut gewesen sei und die Männer tagelang nicht hätten sprechen können.

Entführungen und Plünderungen

Dem 42-Jährigen wird konkret vorgeworfen, mit seinen Männern mindestens acht Gefangene gefoltert zu haben. Eines der Opfer sei daran gestorben, ein weiteres sei aus ungeklärten Gründen ums Leben gekommen. Der Beschuldigte und seine mindestens 150 Milizionäre der „Ghoraba-as-Sham“ („Die Fremden von Syrien“) sollen sich den Ermittlern zufolge auch durch Plünderungen bereichert haben. Wie der Mann nach Deutschland kam, wurde nicht mitgeteilt. Die Anklage legt ihm Kriegsverbrechen nach dem Völkerstrafrecht und erpresserischen Menschenraub zur Last.

Langes Verfahren

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Frank Schreiber hat zunächst Verhandlungstermine bis in den September vorgesehen. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft. Es komme abhängig vom psychiatrischen Gutachten auch eine Unterbringung in der Psychiatrie oder im Maßregelvollzug in Betracht, teilte Schreiber mit. Der Prozess wird am 29. Mai fortgesetzt.

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