„Foucaultsches Pendel passt hier gut hin“
Bild: Evers
Zahlreiche Journalisten ließen sich gestern von Künstler Gerhard Richter (85) in der Dominikanerkirche in Münster über seine geplante Installation informieren.
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Er schenkt der Stadt Münster das Objekt. „Faszinierend“ sei das Foucaultsche Pendel für ihn, sagte Richter – eigentlich in der Malerei zu Hause – gestern bei einem Ortstermin in der Kirche. Nachdem er Exemplare im Pariser Pantheon und im Deutschen Museum in München gesehen hatte, ging ihm der Apparat nicht aus dem Sinn.

Die Funktionsweise des Pendels: Ein Gewicht schwingt an einem langen Seil hin und her. Wer es eine Weile beobachtet, stellt fest, dass sich die Schwingungsebene des Pendels langsam dreht. Der französische Physiker Léon Foucault konnte mit dem Experiment 1851 die Erdrotation nachweisen. Es ist die Erde, die sich unter dem konstant schwingenden Pendel dreht.

„Es hat sofort gefunkt“

Warum das Pendel nun ausgerechnet in Münster realisiert wird? „Es passt hier einfach gut hin“, erklärte der 85-jährige Künstler. Die Idee kam ihm im Sommer bei einem Besuch der Skulptur Projekte in der Domstadt. Ausstellungsleiter Kaspar König wusste von dem Wunsch Richters, ein Foucaultsches Pendel zu installieren. Sein erster Vorschlag – das leerstehende Gasometer im Osten Münsters – wurde rasch verworfen. „Da hätte es sogar reingeregnet“, sagte Richter. Dann sei er aber – bei strahlendem Sonnenschein – zur Dominikanerkirche geführt worden. Richter erinnert sich mit einem Lächeln: „Da hat es dann gefunkt.“

Die ehemalige Kirche eignet sich ideal für das Foucaultsche Pendel: In dem Bauwerk wurde am 12. November der letzte Gottesdienst gefeiert, danach wurde sie profaniert, also entweiht. Das Pendel wird in der 29 Meter hohen Vierungskuppel der Kirche befestigt. Ergänzt wird die Installation durch vier graue Glastafeln, jede 1,34 Meter breit und sechs Meter hoch. Darin sollen sich das Pendel und die Besucher spiegeln.

Sieg der Naturwissenschaft über den Glauben

Dass das Pendel nun ausgerechnet in einer Kirche schwingt ist für Richter noch aus einem anderen Grund reizvoll. Nachdem Foucault im 19. Jahrhundert sein Experiment vorführte, erkannte die Katholische Kirche erstmals an, dass die Sonne das Zentrum ist, um das sich die Erde und die anderen Planeten bewegen. „Das war der Sieg der Naturwissenschaft über den Glauben“, sagte Richter.

Wer von der Wirkung der Erdrotation etwas mitbekommen möchte, braucht etwas Zeit. Während das Pendel ununterbrochen schwingt, wird sich die Ebene unter der Kugel langsam nach Osten drehen. Pro Stunde beträgt die Drehung rund zwölf Grad. „Man braucht Geduld“, räumte Künstler Gerhard Richter gestern ein.

Physiker der Uni Münster übernehmen Planung

Zügig wird es dagegen mit der Umsetzung des Projektes gehen. Bis zum Frühsommer soll das Foucaultsche Pendel in der Dominikanerkirche eingebaut sein. Der Fachbereich Physik der Universität Münster hat die Planung übernommen. Das 35 Kilogramm schwere Pendel soll aus Messing hergestellt werden. Eine eigens entwickelte Elektronik im Zentrum der Schwingungsebene hält über Magnetismus das Pendel dauerhaft in Bewegung.

Die Dominikanerkirche soll nach dem Willen Richters und der Stadt Münster kein musealer Ort werden. Der Raum soll für Konzerte, Vorträge oder Lesungen genutzt werden. Der Rat der Stadt hat dem Konzept bereits zugestimmt.

650 000 Euro Kosten

650 000 Euro wird die Realisierung kosten – private Spender und die Landesregierung helfen bei der Finanzierung. In einem ersten Schritt werden für die Stadt Münster zunächst 50 000 Euro fällig. In einem zweiten Schritt soll dann die Gebäudetechnik erneuert werden. Während dieser Arbeiten 2019 soll die Kirche geschlossen bleiben.

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