Frau getötet - Notwehr vorgetäuscht
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Um eine Notwehrsituation vorzutäuschen, hatte ein Bielefelder laut Anklage seiner geschlagenen und dann erwürgten Frau ein Küchenmesser in die Hand gedrückt. Am Dienstag verurteilte ihn das Landgericht in Bielefeld zu knapp zehn Jahren Haft.
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Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann mit einem Holzstiel auf seine 41 Jahre alte Frau einschlug und sie erwürgte. Dann wählte er den Notruf und drückte der Frau ein Messer in die Hand, um Notwehr vorzutäuschen.

„Beim Motiv können wir nur spekulieren, aber Sie haben als Adoptivvater einem Kind verantwortungslos die Mutter genommen“, begründete die Vorsitzende Richterin, Jutta Albert, das Urteil. Sie zeigte sich fassungslos, aus welch „nichtigem Anlass ein Mann seine Partnerin tötet“.

Ehe als Hölle bezeichnet

Mit dem Strafmaß ging das Gericht deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die acht Jahre Haft beantragt hatte. Die Frau hatte Zeugen gegenüber gesagt, dass sie an eine Trennung denke. Sie war auf Wohnungssuche und wollte einen zweiten Job finden, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Den Zeugen zufolge hatte die 41-Jährige ihre Ehe als Hölle bezeichnet. Um blaue Flecken am Körper zu verbergen, soll sie auch im Hochsommer hochgeschlossene Kleider getragen haben. Außerdem soll sie für den Fall einer Trennung große Angst um ihre Tochter gehabt haben.

Geständnis überzeugt Gericht nicht

Als Tatmotiv vermutet das Gericht einen Kontrollverlust des Mannes über seine Frau und Probleme aufgrund des großen Altersunterschieds von mehr als 20 Jahren. Das Geständnis des Angeklagten überzeugte das Gericht nicht. „Sie haben die Tat nicht in Abrede gestellt, aber Erinnerungslücken angegeben“, sagte Richterin Jutta Albert.

Die vorgetäuschte Notwehr wertete das Gericht ebenfalls negativ. „Was ist das für eine Aktion, der Toten ein Messer in die Hand zu drücken?“, fragte die Richterin den Angeklagten. „Mein Mandant hat mit deutlicher weniger gerechnet“, sagte der Verteidiger zum Strafmaß. Ob er das Urteil akzeptieren werde, sei noch offen.

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