Frühgeborener Moritz kämpft sich ins Leben
„Wir sind überglücklich“: Simon und Nati Horn aus Lippstadt sind die Eltern von Moritz, der zehn Wochen zu früh auf die Welt kam, nun aber gesund ist. Im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt wurde er versorgt.
Die ersten Wochen verbringt Moritz im Perinatalzentrum des Krankenhauses. Maschinen überwachen sein kleines Leben – Kabel und Schläuche helfen ihm beim Atmen und der Nahrungsaufnahme.

Lichtaktion soll Aufmerksamkeit erregen

Moritz Horn ist eines von 60.000 Frühgeborenen in Deutschland. Als Frühgeborene bezeichnet man Menschen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Heute ist der Weltfrühgeborenen-Tag, auf den das Evangelische Krankenhaus in Lippstadt mit Moritz‘ Geschichte und einer Lichtaktion aufmerksam machen will: Noch bis morgen erstrahlen die Bäume vor dem Haupteingang mit Einbruch der Dämmerung in lilafarbenen Licht. Lila gilt als die Farbe der Frühgeborenen.

Mittlerweile ist es sechs Monate her, dass sich Moritz auf den Weg ins Leben macht hat – „mit Pauken und Trompeten“, wie Vater Simon Horn aus Lippstadt sagt. Rückblende: Noch am Tag der Geburt ist Moritz’ Mutter Nati zur Kontrolle beim Frauenarzt – keine Auffälligkeiten. Am Abend beginnen starke Wehen. Dann geht alles schnell. Die Fahrt ins Krankenhaus, ein Notkaiserschnitt, die Verlegung von Moritz auf die Kinderintensivstation. Von da an liegt sein Leben in den Händen der Kinderärzte und Pflegekräfte und hängt buchstäblich „an einem dünnen Draht“, berichtet das Krankenhauses.

Traumatische Erinnerungen für die Eltern

Die Organe des Neugeborenen sind, wie bei vielen Frühchen, den Anforderungen des Lebens außerhalb des Mutterleibes noch nicht gewachsen und benötigen Unterstützung. Umgeben von Kabeln und Schläuchen, die ihm helfen zu atmen und Nahrung aufzunehmen, liegt Moritz in einem von Glas umschlossenen Bettchen (Inkubator), in dem seine Körpertemperatur reguliert wird. 

Traumatische Erinnerungen für die frischgebackenen Eltern. „Irgendwie dachte ich immer ‚Papa werden‘ fühlt sich anders an, weniger lebensbedrohlich,“ beschreibt der 36-jährige Vater seine Gefühle in dieser Zeit.

Menschliche Nähe hilft Moritz

Doch eines wird schnell klar: Moritz ist ein Kämpfer. „Seine Ausgangssituation war kritisch. Doch es ist ein Wunder, wie stark diese kleinen Menschen sind und mit welchem Willen sie am Leben festhalten“, sagt Dr. med. Lior Haftel, Chefarzt der Kinderklinik des Evangelischen Krankenhauses.

Die Zuversicht der Eltern steigt. Außer der intensivmedizinischen Versorgung hilft dem Frühgeborenen die menschliche Nähe, sich zu stabilisieren. Rund um die Uhr ist eine Krankenschwester nur für ihn da, auch erhält er eine Frühchen-Physiotherapie. Täglich verbringen Nati und Simon Horn viele Stunden neben dem Bettchen ihres kleinen Sohnes, sprechen und kuscheln mit ihm. „Er hat genau gemerkt, was los ist“, sagt Nati Horn.

Unterstützung durch Gütersloher Verein

Von den Schwestern im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt erhält Moritz Horn eine „Frühchenkette“. Mit jedem Meilenstein in seiner Entwicklung wächst die Kette um eine weitere Perle an. Moritz’ Kette wird größer und größer. „Doch immer wieder gab es auch Rückschläge“, heißt es in der Mitteilung der Klinik.

Frühchen Moritz in der Physiotherapie.

Für die Eltern sind die Wochen ein emotionaler Kraftakt. Unterstützung erhalten sie durch das Team der Kinderintensivstation und die Mitarbeiterinnen des Vereins „Bunter Kreises OWL Sonnenblume“ aus Gütersloh. Die Sozialarbeiterinnen sind täglich in der Kinderklinik unterwegs, bieten den Eltern von frühgeborenen und kranken Kindern Gespräche an und helfen, den Alltag zu organisieren – während des Klinikaufenthaltes, und auch für die Zeit nach der Entlassung.

In den vielen Stunden im Krankenhaus hilft es Simon Horn zudem, Tagebuch zu schreiben und seine Gedanken und Gefühle mit den engsten Vertrauten zu teilen.

Es geht nach Hause

Nach sechs Wochen ist es endlich so weit: Moritz Horn geht es so gut, dass er die Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses (EVK) Lippstadt verlassen darf und auf die Kleinkindstation verlegt wird. Den Eltern fällt ein Stein vom Herzen. Nach weiteren sechs Wochen in der Klinik geht es nach Hause und ein Stück Normalität beginnt.

Seit dem Einzug ins heimische Kinderzimmer hat Moritz weiter Fortschritte gemacht, an Größe und Gewicht zugelegt. Mittlerweile ist er so groß wie Kinder in dem Alter. Aufmerksam verfolgt er, was um ihn herum geschieht, ist fröhlich und hält seine Eltern und Großeltern auf Trab.

Lied über schwierige Zeit

Aber die Reise ist noch nicht zu Ende. Zahlreiche Termine takten den Rhythmus der Familie: Medizinische Nachsorge, Physiotherapie, Entwicklungsdiagnostik und Frühförderung stehen auf dem Programm. Trotzdem sind Nati und Simon Horn überglücklich, dass sie als Familie zu dritt sein dürfen. „Fünf Minuten später und unsere Geschichte wäre anders ausgegangen“, sagt Simon Horn und dankt dem Perinatalzentrum für die „hoch qualifizierte Hilfe“.

Lichtaktion des EVK Lippstadt zum Weltfrühchentag am 17. November.

Das erste Kapitel der Familiengeschichte hat der Musiker und Songwriter in einem Lied verarbeitet. Das Stück „Mit Pauken und Trompeten“ erzählt von den ersten Tagen mit dem Frühgeborenen. Die Worte und Töne sollen Kraft und Zuversicht vermitteln.

Eigentlich hatte der Lippstädter das Lied als Erinnerung für Moritz geschrieben, und um den Ärzten und Pflegenden zu danken. Doch die Resonanz ist so groß, dass die Familie ihre Geschichte mit dem Song öffentlich machen will. 

„Uns war es wichtig, unser Privatleben zu schützen, aber die Chance anderen Familien in ähnlichen Situationen Mut zu machen, schlägt jeden Zweifel“, betont Simon Horn. Deshalb ist „Mit Pauken und Trompeten“ ist nun unter www.familieH.com abrufbar. Die Erlöse für den Song gehen als Spende an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im EVK Lippstadt.

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