Gefährlicher Sexualstraftäter bekommt Ausgang
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Mittlerweile 23 Jahre sitzt der verurteilte Kindermörder nach seiner letzten Gewalttat hinter Gittern. Die Leitung der JVA Bielefeld-Brackwede, wo der 63-Jährige einsitzt, hält den Mann nicht für therapiefähig. Doch nach einem Beschluss des Landgerichts Bielefeld kann der Gewalttäter jetzt auf Hafterleichterungen und sogar auf seine Entlassung in zwei Jahren hoffen.
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Jetzt hat das Landgericht Bielefeld die Freilassung des zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe Verurteilten auf den 31. Juli 2015 festgesetzt. Die Leitung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede, in der der Sexualstraftäter einsitzt, und die Staatsanwaltschaft Münster finden die Entscheidung „hochproblematisch“.

Das Landgericht Bielefeld nannte nicht nur das Datum der Entlassung, sondern ordnete auch Lockerungen des Vollzugs an: So ist dem 63-Jährigen bis zum Jahresende monatlich ein begleiteter Ausgang und ab Januar 2014 ein unbegleiteter Ausgang zu gewähren. Verlaufen die Hafterleichterungen problemlos, soll der Mann am 1. September 2014 in den offenen Vollzug verlegt werden, damit er weiter auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden kann.

Staatsanwaltschaft beschwert sich gegen Beschluss

Die Staatsanwaltschaft hat „sofortige Beschwerde“ gegen den Beschluss des Landgerichts Bielefeld eingelegt. Der Fall wird im Laufe der nächsten Wochen vom 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm verhandelt. Bis zu einer Entscheidung werden die Anordnungen des Landgerichts ausgesetzt. Der Fall könnte beispielhaft werden für die schwierige Abwägung zwischen dem durch die Verfassung garantierten Rechts des Gefangenen auf Resozialisierung und dem Sicherheitsinteresse der Gesellschaft.

1968 hatte der Mann ein sechsjähriges Mädchen getötet. Dafür wurde der damals 18-Jährige vom Landgericht Essen zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. 1982 missbrauchte der Verbrecher eine 13-Jährige. Auch dafür verbüßte er eine mehrjährige Freiheitsstrafe. 1989 dann erwürgte der Sexualstraftäter in Metelen (Kreis Steinfurt) ein neun Jahre altes Mädchen, das er in einen Wald gelockt und dort gefesselt hatte. Das Urteil: lebenslanger Freiheitsentzug.

JVA hält 63-Jährigen für nicht therapierbar

Sein 2003 erstmalig gestellter Antrag auf Entlassung nach Verbüßung von 15 Jahren Haft war vom Landgericht Bielefeld abgelehnt worden. Die Beschwerde dagegen verwarf das OLG Hamm und legte fest, dass aufgrund der „besonderen Schwere der Schuld eine Mindesthaftdauer von 22 Jahren“ geboten sei. 2011 wurde der nächste Antrag, den Rest der lebenslangen Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen, abgelehnt. „Mehrere Gutachter waren zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mann aufgrund einer ‚Kernpädophilie mit sadistischer Ausprägung‘ nicht therapierbar ist“, betont Oliver Burlage, stellvertretender Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede. Eine Entlassung sei nicht verantwortbar.

Weitere Hintergründe zu diesem Fall lesen Sie in der Mittwochsausgabe der „Glocke“.

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