Gefallener Soldat wird nicht geborgen
 Foto: Wild
Das Medieninteresse war groß, als Kläger Uwe Benkel sich am Donnerstagmittag im Beisein seines Anwalts nach dem Richterspruch im Flur des Verwaltungsgerichts Münster äußerte. Er hatte erreichen wollen, dass in Südlohn ein gefallener Weltkriegs-II-Pilot ausgegraben und umgebettet werden sollte. Die Absturzstelle mit Trümmerteilen und mutmaßlich den sterblichen Überresten des Bordfunkers ist aus Sicht des beklagten Landrats und des Landschaftsverbands ein Bodendenkmal und sollte nicht angetastet werden.
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Das Verwaltungsgericht (VG) Münster lehnte am Donnerstag das Ansinnen eines Klägers ab, den Leichnam zu bergen und umzubetten. Es gab damit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) recht, der nicht will, dass das als Bodendenkmal eingetragene Kriegsgrab angetastet wird. 

Absturz am 26. März 1942 in Südlohn

Der Absturz geschah am 26. März 1942 beim Luftkampf mit britischen Verbänden. Nach Berichten von Zeitzeugen habe sich der Pilot mit dem Fallschirm retten können, während der Bordfunker mit abgestürzt sei. Geophysikalische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass sich Trümmerteile des Flugzeugs in Bodenschichten bis mehrere Meter unter der heutigen Geländeoberkante befinden. Auch die sterblichen Überreste des Obergefreiten werden dort vermutet. 

Hinter der Klage steckt die die Arbeitsgruppe Vermisstenforschung aus Rheinland-Pfalz. Als Kläger trat vor dem VG Münster Uwe Benkel auf. Er sagt, in vergleichbaren Fällen sei der US-Armee die Bergung von toten Soldaten ermöglicht worden und sprach von einer Ungleichbehandlung deutscher Soldaten.

Bodendenkmal bleibt in Gesamtheit erhalten

Nach einem dreistündigen Verhandlungsmarathon gab das Gericht der von LWL-Denkmalpfleger Dr. Christoph Grünewald vertretenen Auffassung recht, dass das Bodendenkmal nur in seiner Gesamtheit ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte des Luftkampfs im Zweiten Weltkrieg sei und es durch die Trennung des Toten von dem Wrack an Wirkung verlöre. Insofern sei die Verweigerung einer denkmalrechtlichen Grabungsgenehmigung berechtigt. 

Dem Kläger bescheinigte der Vorsitzende Richter Dr. Middeke, aus ehrenhaften, nicht aus wirtschaftlichen Motiven zu handeln, gab der Klage aber keine Chance. Nach mehreren Sitzungsunterbrechungen willigten Kläger und Beklagte in eine vom Richter vorgeschlagene „Erledigungserklärung“ ein. Demnach soll der LWL mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Südlohn und in Abstimmung mit dem Kläger Möglichkeiten erörtern, vor Ort neben dem ohnehin vorhandenen Grabstein eine Erinnerungstafel zu Ehren von Albrecht Risop aufzustellen und das Heimatmuseum im Ortsteil Oeding um eine biographische Würdigung des toten Bordfunkers zu ergänzen.

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