Gütersloher ist Krisenmanager in JVA Bochum
Bild: Mense
Die Gebäude der JVA Bochum sind teilweise schon Ende des 19. Jahrhunderts erreichtet worden. Zumindest ein Hafthaus muss nach Angaben von Uwe Nelle-Cornelsen, kommissarischer Leiter der JVA, durch einen Neubau ersetzt werden.
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Der Gütersloher, der normalerweise die JVA Bielefeld-Senne leitet, ist von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) kurzfristig nach Bochum entsandt worden. Der bisherige JVA-Leiter war vom Minister von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem die Anstalt durch eine Reihe von Fluchtversuchen in die Schlagzeilen geraten war. Die Sicherheitsprobleme seien Folge organisatorischer und sicherheitsrelevanter Mängel, hieß es. Nelle-Cornelsen wollte das nicht weiter kommentieren.

Dicke Gitterstäbe vor den Fenstern, zweckmäßiges, aber in die Jahre gekommenes Mobiliar, Berge von Akten türmen sich auf den Schreib- und Computertischen. Zwei Bilder an den Wänden scheitern bei dem Versuch, dem schmucklosen Raum einen Hauch von Atmosphäre zu verleihen. Doch die Schmucklosigkeit seines neuen Büros ist für Uwe Nelle-Cornelsen (48) derzeit nebensächlich. Für ihn gibt es in Bochum wichtigere Dinge, um die er sich kümmern muss,  sehr viele sogar.

Kein Pannenknast

Von „Pannenknast“ und „Fluchtkultur“ war nach drei Ausbruchsversuchen seit Januar in der politischen und öffentlichen Diskussion die Rede. Das sind Begriffe, die nach Auffassung von Nelle-Cornelsen ebenso falsch wie folgenreich waren: „Die Mitarbeiterschaft, die ich hier vorgefunden habe, war von der öffentlichen Debatte extrem verunsichert, von den Fluchtversuchen der vergangenen Wochen geradezu geschockt. Schließlich galt die JVA Bochum über Jahrzehnte als sicher und gut geführt.“ 372 Justizbeamte und -angestellte sind für 750 Gefangene zuständig. Die JVA Bochum ist eine Haftanstalt im geschlossenen Vollzug. Wie in Werl und Aachen handelt es sich um eine Langstrafenanstalt, hier sitzen Mörder, Geiselnehmer, „hochkarätige“ Räuber – „auch einige der Bösesten, die das Land hervorgebracht hat“, wie Nelle-Cornelsen ganz nüchtern erklärt. Den Auftrag als Krisenmanager zu übernehmen, ist für den Juristen eine Form von Pflichterfüllung. Seine Erfahrungen als Anstaltsleiter, seine Kenntnisse vom geschlossenen Strafvollzug, die er während seiner Laufbahn als Leiter der Sicherheitsabteilung in der JVA Werl erwarb, und vor allem seine ruhige und analytische Art haben Nelle-Cornelsen für die schwierige Aufgabe in Bochum empfohlen.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der Samstagausgabe der „Glocke“.

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