Hausarzt hat ein Imageproblem
Bild: Mense
Die Abwechslung im Praxisalltag, die fachliche Herausforderung, die enge Bindung zwischen Arzt und Patienten, das oft über Generationen reichende Vertrauensverhältnis – Dr. Eva Broer (r.) ist in ihrer Begeisterung für ihren „Traumberuf“ Hausärztin kaum zu bremsen. Auf Dr. Eva-Maria Furmaniak, angehende Fachärztin für Innere Medizin/Allgemeinmedizin, wirkt die Leidenschaft durchaus ansteckend.
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Nachwuchskräfte wie Furmaniak sind für die medizinische Versorgung in der Region ein Glücksfall. Nach vier Jahren, in denen sie als Assistenzärztin in der Klinik Dülmen gearbeitet hat, absolviert sie die erforderliche zweijährige Praxiszeit bei der niedergelassenen Allgemeinmedizinerin Dr. Eva Broer in Ostbevern. Ihr Eindruck nach den ersten knapp drei Monaten: „Meine Entscheidung war hundertprozentig richtig. Die Arbeit hier macht riesigen Spaß“, erklärt Eva-Maria Furmaniak.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wünscht sich mehr Nachwuchskräfte wie Dr. Furmaniak. Denn sonst könnte es mit der flächendeckenden medizinischen Versorgung mit Hausärzten in absehbarer Zukunft problematisch werden, insbesondere in ländlichen Regionen.

In einigen Bezirken, die die KV als Mittelbereiche bezeichnet, besteht bereits oder droht eine Unterversorgung, so etwa in Altena (Märkischer Kreis), Brilon (Hochsauerland), Löhne (Kreis Herford), aber auch in Oelde. Im Ortsteil Lette hatten Bürger 2010 mit kreativen Ideen und überregionaler Medienpräsenz versucht, einen jungen Allgemeinmediziner zu locken. Die Bemühungen blieben aber erfolglos. Nachdem ein Nachfolge-Interessent kurzfristig abgesprungen war, ging der örtliche Hausarzt in den Ruhestand, ohne dass Ersatz da war. Die Letter besuchen seit 2010 Hausärzte in Oelde und Clarholz.

Paul Tegelkämper, der als Ratspolitiker die intensive Medizinersuche für den Ortsteil (2350 Einwohner) initiiert hatte, hat mittlerweile resigniert: „Wenn eine Praxis einmal geschlossen ist, dann ist der Zug abgefahren.“ Er ist sich sicher: Situationen wie in Lette werden sich künftig häufen.

 „Allgemeinmediziner mit Praxen in ländlichen Regionen haben ein Imageproblem“, sagt Dr. Eva Broer. Der Hausarzt im Dorf müsse rund um die Uhr Ansprechpartner für seine Patienten sein und medizinisch sei das Ganze nicht besonders anspruchsvoll, so zwei der gängigen Klischees – die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

„Innerhalb der Medizin ist das für mich das schönste Arbeitsgebiet“, sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin, die nach 13-jähriger Tätigkeit in einer Klinik (zuletzt als Oberärztin) den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Den Schritt hat sie nie bereut.

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