Haydn-Oper feiert in Bielefeld Premiere
Bild: Sarah Jonek
Die Oper“ Orlando Paladino“ feierte am Freitag in Bielefeld Premiere.
Bild: Sarah Jonek

Heroisch-komisch, also eroicomico, geht es allemal zu. Medoro begehrt Angelica, Orlando ebenfalls. Regisseurin Felicitas Brucker weist den Akteuren gradlinig den Weg, sowohl dem rührseligen Medoro (Lianghua Gong), den Angelica (Cornelie Isenbürger) anhimmelt, als auch Paladin Orlando (Daniel Pataky), einem treuen Gefolgsmann Karls des Großen, der sein Schmachten bis hinein ins Martialische mit Schwert und Pistole überzieht.

Eigentlich soll ihn Lethe-Wasser ruhig stellen, die Regisseurin in Bielefeld lässt das jedoch die Fee Alcina (Hasti Molavian) und Charon, den Fährmann in der Unterwelt (Yoshiaki Kimura), mit Chemie erledigen. Das Orchester unter Merijn van Driesten verbreitet gefühlvoll und ausdrucksstark klassischen Klang, gefällt mit der natürlichen Frische seines Stils und launigem Ton, in dem das gesamte Ensemble meisterlich aufgeht. Marlene Lockemann (Bühne) verzichtet auf Kulisse im herkömmlichen Sinn, präsentiert die Handlung stattdessen mit Lichteffekten, die Ralf Scholz beisteuert, auf einer Drehbühne, abschließend in einem nüchternen weißen Saal.

 Abgesehen von kleinen Übertreibungen und Ungereimtheiten ist Felicitas Bruckers Regiekonzept insgesamt stimmig. Hervorzuheben in der italienischen Oper ist die 32. der 54 Szenen; sie gelingt „kitzelig-erotico“. Was Medoro und Angelica an Liebesleben vermissen, gönnen sich die schöne Schäferin Eurilla (Nienke Otten) und Orlandos Knappe Pasquale (Lorin Wey) wonnevoll. Sie gerät, vorsichtig beschrieben, ins Schwärmen, und er stößt dazu vieldeutig eindeutige Seufzer aus – alles in allem ein Augenschmaus mit viel Applaus und einem heimlichen Wunsch: „da capo“. Papa Haydn in Eisenstadt wusste, wie man das Publikum fesselt. Kein Wunder übrigens, dass Kaiserin Maria Theresia seinerzeit geäußert hat, man müsse nach Eisenstadt gehen, um gute Opern zu sehen. Im Augenblick ist diesbezüglich ein Besuch in Bielefeld reizvoll.

Nächste Aufführungen: 4. und 15. Mai. Karten in allen „Glocke“-Geschäftsstellen.

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