Horrorhaus: Angelika W. sieht sich als Opfer
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Die Angeklagte im Horrohaus-Prozess, Angelika W. (l.) - hier neben ihrem Verteidiger Peter Wüller - hat am Freitag das letzte Wort. Sie hat bereits einen langen Vortrag angekündigt.
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Im Mordprozess um das Horrorhaus von Höxter haben Nebenkläger aus Protest gegen das ausführliche letzte Wort der angeklagten Angelika W. den Saal verlassen.

Mutter eines der Opfer sagt: „Nichts Neues“

Wie bereits zum Prozess-Auftakt vor fast zwei Jahren beschrieb sich Angelika W. am Freitag als Opfer ihres Partners Wilfried W., der mit ihr auf der Anklagebank sitzt. Nach rund 90 Minuten verließen die drei Anwälte der Nebenkläger und die Mutter einer in Höxter ums Leben gekommenen Frau die Verhandlung. "Nichts Neues", sagte die Mutter beim Gang aus dem Saal.

Eine Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns in Richtung der Opfer-Vertreter sagte Angelika W. in den ersten Stunden ihres letzten Wortes nicht.

Lebenslange Haftstrafen für Angeklagte gefordert

Über Jahre hinweg sollen die beiden Deutschen mehrere Frauen in das Haus nach Höxter in Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der seelischen und körperlichen Quälereien. Die Anklage lautet auf Mord durch Unterlassen.

Die Staatsanwaltschaft hat lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Über Jahre hinweg sollen die beiden Deutschen zahlreiche Frauen in ihr Haus gelockt und sie seelisch und körperlich schwer misshandelt haben. Zwei Opfer aus Niedersachsen starben.

Urteil soll in Kürze gefällt werden

Für den Angeklagten beantragte die Staatsanwaltschaft zudem die Einweisung in eine Psychiatrie. Das Landgericht Paderborn will das Urteil am 5. Oktober verkünden. Der Verteidiger von Angelika W. hat Freispruch für seine Mandantin gefordert. Für die Mordvorwürfe fehlten schlicht die Beweise, sagte er.

Er habe zwar keinen Zweifel, dass die Angeklagten gemeinsam über Jahre Frauen aufs Übelste misshandelt hätten. Das Gericht dürfe aber nur über das urteilen, was angeklagt und auch nachgewiesen worden sei.

Die Verteidiger von Wilfried W. - dem Ex-Mann der Angeklagten - haben für ihren Mandanten eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten und dessen Einweisung in die Psychiatrie beantragt.

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