Imker kämpfen gegen Bienenseuchen
Bild: Gog

Sechs Bienengesundheitsmobile haben (v.l.) NRW-Agrar-Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann, Landwirtschaftskammer-Präsident Karl Werring und Bienensachverständiger Mathias Rentrop auf Haus Düsse in Bad Sassendorf (Kreis Soest) in Dienst gestellt.

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In Schutzkleidung steht der Imker an einem 100-Liter-Kochkessel, in dem eine Suppe aus Ätznatron brodelt. Dann senkt er langsam eine Bienenbehausung in den heißen Chemikaliencocktail ab. Wände, Boden und Deckel werden in einem schweißtreibenden Vorgang ausgekocht. Danach sind sämtliche Faulbruterreger erledigt. Alles, was der Imker für den Kampf gegen die Seuche benötigt, findet er im Bienengesundheitsmobil („Big-Mobil“).

Big-Mobile im Einsatz

Sechs dieser Spezialfahrzeuge für Imker hat die Landwirtschaftskammer NRW am Donnerstag auf dem Gelände ihres Versuchs- und Bildungszentrums Haus Düsse in Bad Sassendorf (Kreis Soest) vorgestellt. In den Big-Mobilen sind neben dem Kochkessel und der Schutzausrüstung unter anderem auch Werkzeuge zum Wabenschmelzen enthalten.

Imkerei seuchenfrei machen

In jedem der fünf Regierungsbezirke Nordrhein-Westfalens wird ein Big-Mobil stationiert, das sechste Fahrzeug dient zur Schulung und Ausbildung der Bienensachverständigen. Die kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Imker merkt, dass mit seinen Bienen etwas nicht stimmt und eine Seuche wie die Faulbrut dafür die Ursache sein könnte. Im Fall des Falles machen die Experten dann mithilfe des Big-Mobils die betroffene Imkerei schnell wieder seuchenfrei.

Das Bienenvolk müsse während dieser fachgerechten Säuberung seiner Wohnungen nicht mehr getötet werden, sagte Mathias Rentrop, Bienensachverständiger und Obmann des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker. Das Bienenvolk ziehe während der Reinigungszeit einfach in eine Art Camping-Kasten um.

Ganz überwiegend Hobby-Imker

Bei der Tierseuchenkasse NRW sind aktuell 13 649 Imker mit 116 850 Bienenvölkern gemeldet. Nur 1,5 Prozent der Imker besitzen mehr als 30 Bienenvölker und werden deshalb als gewerbliche Halter eingestuft, die anderen sind Hobbyimker. Die Bienen produzierten im vergangenen Jahr 2500 Tonnen Honig mit einem Marktwert von 25 Millionen Euro. Diese Zahlen nannte Kammerpräsident Karl Werring auf Haus Düsse.

„Bienengesundheit besonderes Augenmerk widmen“

Als blütenbestäubendes Insekt leistet die Biene einen wichtigen Beitrag für die Landwirtschaft und die ökologische Nahrungskette. Das hat Agrar-Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann (CDU) deutlich gemacht. Der Bienengesundheit müsse daher ein besonderes Augenmerk gewidmet werden.

Die Bienengesundheitsmobile sind Teil eines umfangreichen Seuchenbekämpfungsprogramms, das in NRW bereits Erfolg zeigt. Bis zur Jahrtausendwende habe es jährlich bis zu 150 Fälle von Faulbrut gegeben, erklärte der Vorsitzende der Tierseuchenkasse, Heinz Lax. Jetzt seien es nicht mehr als 30 Seuchenfälle im Jahr. Die Tierseuchenkasse mit Sitz in Münster ist seit zehn Jahren an die Landwirtschaftskammer angebunden.

Wirksam gegen Faulbrut

Probleme bereitet den Imkern vor allem die Faulbrut. Gegen diese Seuche ist das Mobil eine wirksame Waffe. Sollte der Kleine Beutenkäfer aus Afrika, der in Süditalien Bienenstöcke angegriffen hat, weiter nach Norden ziehen, kann das Fahrzeug im Handumdrehen zum Kampf gegen diesen Parasiten umgerüstet werden.

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