Initiativen rufen Fördermittel kaum ab
Symbolbild: dpa
Viele private Initiativen sind bei der Flüchtlingshilfe für den Staat in die Bresche gesprungen. Für ihre Arbeit brauchen sie Geld. Aber nur knapp mehr als ein Drittel ruft die vorhandenen Fördergelder auch ab. Die Gründe dafür sind vielfältig.
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Nach Angaben der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung nennen die für die Studie befragten Initiativen als Grund dafür hohe bürokratische Hürden (58 Prozent), fehlende Zeit (70 Prozent) und Informationen (48 Prozent). An fehlenden staatlichen und privaten Förderprogrammen lag es nicht, betonen die Studienautoren.

Befragt wurden die Helfer zwischen Februar und April 2017. Die Bertelsmann-Stiftung fordert unter anderem, die Antragsverfahren für die verschiedenen Fördertöpfe von Bund, Land, Stiftungen und Fonds zu vereinfachen.

"Es war von entscheidender Bedeutung, dass die engagierten Bürger in Zeiten der Überforderung unserer staatlichen Systeme spontan eingesprungen sind und unterstützt haben. Wer besonders schnell geholfen hat, wird durch das aktuelle Fördermittel-System aber eher bestraft, weil Initiativen erst Anträge hätten schreiben und Vereine gründen müssen, bevor sie anfangen, um Mittel zu erhalten", sagte Alexander Koop, Experte für Zivilgesellschaft bei der Bertelsmann-Stiftung. Die Initiativen geben die Gelder für Sachmittel, Beratung, praktische Hilfen, Unterricht, gemeinschaftliche Aktivitäten oder auch Fahrtkosten aus.

Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates Nordrhein-Westfalen, bestätigt das Ergebnis der Studie und spricht von bürokratischen Bollwerken. Bei der Suche nach Lösungen aber fordert sie einen differenzierten Blick. Dass Hürden durchaus sinnvoll sind, um Mittel-Missbrauch zu verhindern, sieht auch Naujoks. Gleichzeitig nennt sie beispielsweise die Vereinsgründung als Voraussetzung für die Auszahlung von Fördermitteln einen Hemmschuh.

"Wir müssen nach guten Mittellösungen suchen. Wenn nicht der Vorstand eines Vereins für den korrekten Einsatz des Geldes haften kann, dann aber vielleicht als Ersatzlösung eine Einzelperson", sagte die Geschäftsführerin. "Unstrittig ist, dass wir jemanden brauchen, der bürgt und seinen Kopf hinhält für den korrekten Einsatz von staatlichen Mitteln."

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