JVA-Ausbruch: Staatsanwalt gibt Fehler zu
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Ein möglicherweise gefährlicher Straftäter ist aus der JVA Bochum ausgebrochen und noch immer auf der Flucht. Der 47-Jährige hatte ein schlecht eingebautes Oberlicht zur Flucht genutzt.
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"Wir hätten ihn da wahrscheinlich nicht eingesetzt, wenn wir das gewusst hätten", sagte Anstaltsleiter Friedhelm von Meißneram Mittwoch . Der 47-jährige Häftling war am Sonntag beim Putzen des Besucherkontrollbereichs durch ein mit Panzerglas gesichertes Fenster geflohen. Begünstigt worden war der Ausbruch durch einen Baumangel des etwa 25 Jahre alten Pförtnergebäudes.

Haftbefehl nicht weitergeleitet

Die Generalstaatsanwaltschaft Hamm hat inzwischen Fehler eingeräumt. Der Mann, der wegen Diebstählen einsaß, steht in Polen unter Verdacht, einen Menschen umgebracht zu haben. Der Europäische Haftbefehl, der in Hamm deswegen vorlag, sei versehentlich nicht an die JVA Bochum weitergeleitet worden.

Panzerglasfenster in allen NRW-Gefängnissen überprüfen

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) sprach von einem Fehler, der nicht auftreten dürfe. Da der Häftling auf der Flucht eine Alu-Leiste von einem Oberlicht lösen und das Fenster aus Panzerglas aus dem Rahmen hebeln konnte, ordnete Kutschaty allgemein eine Überprüfung der Panzerglasfenster in allen NRW-Gefängnissen an und speziell für Bochum eine Grundsicherheitsüberprüfung. Ein externes Expertenteam unter Beteiligung des Ministeriums werde die JVA auf Schwachstellen überprüfen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Serie von Ausbrüchen in JVA Bochum

In der Vergangenheit waren auch andere Fluchtversuche geglückt. Vor zwei Wochen hatte ein Schwerverbrecher die Gitterstäbe seiner Zelle durchgesägt. Er hatte es bis auf den Dachboden geschafft. Vor einem Jahr war ein Untersuchungshäftling mit zwei waghalsigen Sprüngen erfolgreich geflohen. 2003 waren zwei Häftlinge über ein Baugerüst getürmt. 2007 scheiterte allerdings auch ein Versuch eines Trios auf schmerzhafte Weise im Stacheldraht. Einer der Häftlinge musste mit 110 Stichen genäht werden.

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