Jazz-Musiker übersetzen populäre Lieder
Bild: Klostermeier

Musikalische Kontraste bot am Wochenende das 24. Jazzfestival in Münster: Dabei wusste der kolumbianische Harfist Edmar Castaneda ebenso zu begeistern wie die virtuose ungarische Cellistin Asja Valcic und der 73-jährige italienische Star-Trompeter Enrico Rava (Bild).

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Das Eröffnungskonzert spielte am Freitagabend der 23-jährige Alt-Saxofonist Mattia Cigalini, der mit seinem „Bad Romance“-Projekt die Chartstürmer von Pop-Sternchen wie Rihanna, Lady Gaga und Jennifer Lopez in einen Jazz-Kontext übersetzte. „Nur so kann ich meine Kumpels mit Jazz packen“, sagte der italienische Musiker – und packte mit einem energiegeladenen Set auch das Münsteraner Publikum.

Kolumbianische Klänge treffen auf Jazz

Auch der kolumbianische Harfist Edmar Castaneda verbindet seinen Jazz mit einem anderen Genre, nämlich der folkloristischen Musik seiner südamerikanischen Heimat. Dabei bearbeitete er seine Elektro-Harfe im genialen Zusammenspiel mit Schlagzeug und Posaune dermaßen virtuos, dass es das Publikum buchstäblich von den Sitzen riss. Der sichtlich gerührte Castaneda dürfte den 18-stündigen Flugmarathon von Kolumbien nach Westfalen jedenfalls nicht bereut haben.

Die Konzertreihe am Samstag begann mit zwei zupackenden Musikerinnen: Zunächst servierte die israelische Posaunistin Reut Regev dem Publikum ihre beeindruckenden Bläsersalven, die sich hinter dem überaus präsenten Gitarrenspiel des prominenten Bandkollegen Jean-Paul Bourelly wahrhaftig nicht verstecken mussten.

„Westfalen-Jazz“-Preisträger wird Trompeter Frederik Köster

Anschließend begeisterte die ungarische Cellistin Asja Valcic mit ihrem Duo-Partner, dem österreichischen Akkordeon-Virtuosen Klaus Paier, die Zuhörer mit einer kammermusikalischen Darbietung der Meisterklasse, die sich das Prädikat „wunderschön“ nun wirklich verdient hatte. Kontrastreich ging es weiter. Auf das aktuelle Projekt des Trompeters Frederik Köster, der vor seinem Konzert übrigens den begehrten „Westfalen-Jazz“-Preis erhielt, folgten wiederum leise Töne. Yaron Herman aus Israel lieferte am Klavier einen exzellenten Soloauftritt und scheute dabei auch vor einem populären Radiohead-Titel nicht zurück – Respekt!

Das Finale des Samstagsabends ging ab Mitternacht auf WDR 3 live auf Sendung: Der 73-jährige italienische Star-Trompeter Enrico Rava sorgte mit seinem zwölfköpfigen Ensemble für Neuinterpretationen der legendären Pop-Songs von Michael Jackson, was mit stehenden Ovationen belohnt wurde.

Improvisationstalent aus der Schweiz

Der Sonntag, also der letzte Festivaltag, knüpfte nahtlos an die beiden vorangegangenen, ebenso langen wie erstklassigen Konzertabende an: Neben dem Orquesta Jamalandruki aus Spanien und dem Shauli Einav Quintet aus Israel beeindruckte vor allem das abgefahrene Projekt „Hildegard lernt fliegen“ um den Schweizer Sänger Andreas Schaerers: Die sechsköpfige Band – allen voran der als Gesamtkunstwerk auftretende Bandleader – legten eine entfernt ans Improvisationstheater erinnernde Show aufs Parkett und changierten dabei beständig zwischen Genie und Wahnsinn. Man kann es nicht anders sagen: der absolute Hammer!

Zum Abschluss des 24. Festivals trat mit Francesco Bearzattis Tinissima Quartet schließlich die dritte italienische Band des Wochenendes ins Rampenlicht und blies dem verzückten Publikum als schönen Gruß für den Heimweg mit einer wilden Mischung aus Jazz und Rock noch einmal kräftig den Marsch. So modern und vor allem so vielfältig kann Jazz sein.

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Musikalische Kontraste bot am Wochenende das 24. Jazzfestival in Münster: Dabei wusste der kolumbianische Harfist Edmar Castaneda ebenso zu begeistern wie die virtuose ungarische Cellistin Asja Valcic (Bild) und der 73-jährige italienische Star-Trompeter Enrico Rava.

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