Kaugummi-Entfernung ein teures Problem
Millionen festgetretener Kaugummis verschandeln die Gehwege, ärgern Passanten und kosten die Stadtreiniger Millionen. Überschuldete Städte in Westfalen können sich die Entfernung nicht mehr leisten.

Der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) hat vor den Kaugummis kapituliert. „Wir haben vor einigen Jahren eine Firma mit der Reinigung beauftragt. Da blieben dann aber helle Flecken auf dem Asphalt und nach drei Wochen war die Fläche wieder mit Kaugummis verschmutzt. Das war nicht nachhaltig“, sagt Jacqueline Jagusch vom HEB.

Stattdessen konzentriere sich die Stadt nun auf die Entfernung von Kleinmüll wie Zigarettenkippen oder Kaugummipapier, um das Erscheinungsbild zu verbessern: „Hagen ist hochverschuldet, deshalb müssen wir Prioritäten setzen.“

Bocholt hält Pflaster sauber

Andere Städte haben den Kampf gegen die grauen Flecken auf dem Asphalt aufgenommen. Seitdem in der Bocholter Fußgängerzone vor zehn Jahren ein hochwertiges Pflaster verlegt wurde, hält die Stadt dieses mit regelmäßigen Reinigungsaktionen sauber.

„Wo Dreck ist, kommt noch weiterer Dreck hinzu, deshalb entfernen wir auch die Kaugummis in einem dreijährigen Rhythmus mit eigenem Gerät“, begründet Gisbert Jacobs, Leiter der Entsorgungsbetriebe der Stadt Bocholt. Dabei muss jeder Kaugummi einzeln mit einer Handlanze und einem Sprühstoß entfernt werden. 15 Cent pro Gummi beziehungsweise 5000 bis 10.000 Euro pro Jahr insgesamt werden für diesen Einsatz kalkuliert.

Zusätzlich veranstaltet die Stadt Kampagnen und macht die Bürger zum Beispiel mit „Kaugummibäumen“ und Kaubonbons auf das Problempotenzial aufmerksam. Das lohnt sich, meint Jacobs: „Viele internationale Besucher sagen, dass ihnen die Sauberkeit in Bocholt besonders gefällt.“

Siegen verzichtet auf größere Reinigungsaktion

Längst nicht jede Stadt kann es sich aber leisten, in ein angenehmes Straßenbild zu investieren. So musste die Stadt Siegen bislang auf eine größere Säuberungsaktion verzichten, da sie im Nothaushalt steckte. „Die Entfernung von Kaugummis zählt nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune und die Kosten können auch nicht auf Anlieger umgelegt werden“, erklärt Elmar Diehl, Leiter der Stadtreinigung Siegen.

„Kein Geld, keine Sauberkeit“, fasst Martin Lehrer, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW zusammen. Er kennt die Probleme, die verschuldete Städte haben, um Straßen sauber zu halten, während finanziell besser gestellte Kommunen weiter in ihre Attraktivität investieren können.

„Die Städte sind verpflichtet, den Raum von Schadensquellen freizuhalten“, sagt Lehrer. „Aber dies wurde als Folge der Finanznot auf ein Minimum reduziert, wie man auch bei der Beseitigung von Schlaglöchern sehen konnte. Die Kaugummis sind nur ein Problem von vielen.“

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