Kiepenkerl-Attentat: Ermittlungen eingestellt
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Mit diesem Wagen war am 7. April 2018 ein Mann (48) in Münster in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurden vier Menschen getötet und 30 schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Ermittlungen eingestellt. 
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Bei der Tat auf dem Platz vor den beiden Gaststätten „Großer Kiepenkerl“ und „Kleiner Kiepenkerl“ im Herzen Münsters wurden damals vier Menschen getötet und weitere 30 Personen zum Teil schwer verletzt. Der beschuldigte Attentäter erschoss sich nach der Fahrt in seinem Fahrzeug selbst.

Keine Mitwisser bekannt

„Nach Abschluss der Ermittlungen steht für die Staatsanwaltschaft Münster fest, dass es sich bei dem Beschuldigten um einen Alleintäter gehandelt hat“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Andere Personen seien an der Tat nicht beteiligt gewesen, so das Ergebnis der Ermittlungen. 

„Es hat auch keine Gehilfen oder Mitwisser im Vorfeld der Tat gegeben. Es haben sich keine Anhaltspunkte dafür ermitteln lassen, dass der Beschuldigte im Vorfeld der Tat das suizidale und fremdschädigende Tatverhalten konkret angekündigt hat.“

Suizid nicht konkret angekündigt

Für mit dem Täter in Kontakt stehende Personen sei die Verhaltensweise nicht vorhersehbar gewesen. Die Tat habe sich nicht abgezeichnet, heißt es weiter. 

In der an mindestens 40 verschiedene Empfänger im Vorfeld der Tat versandten „Lebensgeschichte“ habe der Attentäter weder die Tat noch seinen Suizid konkret angekündigt, erklärte Staatsanwalt Botzenhardt. Zudem hätten sich weder aus diesem noch aus anderen Schreiben beziehungsweise Datenträgern Anhaltspunkte für ein fremdaggressives Verhalten oder Hinweise auf die Planung respektive Vorbereitung einer Amokfahrt ergeben.

Motiv allein auf persönliche Situation zurückzuführen

„Daher ist auch ein strafrechtlich relevantes Versäumnis von anderen Personen oder staatlichen Behörden (zum Beispiel Mitarbeitern des sozialpsychiatrischen Dienstes der Stadt Münster), die Kontakt zu dem Beschuldigten gehabt haben, nicht zu erkennen“, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung. 

Auch Hinweise auf religiöse, politisch-motivierte oder anders geartete extremistische Motive lägen nicht vor. Das Tatmotiv sei allein in der Persönlichkeit des Beschuldigten und seiner bei der Tat in schrecklicher Weise umgesetzten Suizidabsicht zu begründen. „Der konkrete initiale Anlass für die Tat und auch der Grund für die Auswahl der konkreten Tatörtlichkeit waren indes nicht festzustellen“, schreibt die Staatsanwaltschaft weiter. 

War OP Grund für psychische Labilität?

Der Beschuldigte war nach den durchgeführten Ermittlungen zum Tatzeitpunkt psychisch labil. Eine entsprechende Labilität dürfte bereits seit Jahren bestanden haben. Davon gehen die Ermittler zumindest aus. Möglicherweise stand diese Labilität im Zusammenhang mit einer Wirbelsäulenoperation einige Jahre zuvor, die nach Ansicht des Beschuldigten missglückt gewesen sein soll.

Ob der Beschuldigte an einer psychischen Erkrankung litt, steht indes nicht fest. Eine diesbezügliche fachärztliche Diagnose sei nicht bekannt geworden.

Keine Sprengfalle in Wohnung

Bei der in dem Fahrzeug sichergestellten und für die Selbsttötung benutzten Schusswaffe handelte es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um eine serbische Waffe. Herkunftsermittlungen unter Einbeziehung des Bundeskriminalamtes verliefen ergebnislos. Wie der Beschuldigte in den Besitz dieser Waffe gelangt ist, ist nicht geklärt. „Mit dieser Waffe ist zuvor im Bundesgebiet keine Straftat begangen worden“, heißt es weiter.

Entsetzen nach der Tat auf dem Platz vor den Gaststätten „Großer Kiepenkerl“ und „Kleiner Kiepenkerl“. Bild: dpa

Zudem erklärte die Staatsanwaltschaft, dass der Beschuldigte in seiner Wohnung in Münster keine Sprengfalle installiert und auch nicht konkret eine vorbereitet hatte. Nach Bewertung der Experten des Landeskriminalamtes hätten einzelne der in der Wohnung sichergestellten Materialien zum Bau von Sprengsätzen aber grundsätzlich geeignet sein können. Diese Materialien hatte der Beschuldigte – soweit deren Herkunft ermittelt werden konnte – vermutlich entweder über Ebay erworben oder diese sind im Handel legal erhältlich. „Zu welchem Zweck der Beschuldigte diese Materialen erworben hatte, muss letztlich offen bleiben.“

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