„Kirche muss neue Wege gehen“
Mit dem Begriff „Amtskirche“ kann Thomas Sternberg wenig anfangen. „Wir haben gemeinsam die Probleme zu lösen“, sagt der neue Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im Interview. In Münster leitet der Doktor der Theologie und Germanistik seit 1988 die Katholisch-Soziale Akademie Franz-Hitze-Haus.

„Die Glocke“:  Sie treten Ihr Amt in schwieriger Zeit an. Papst Franziskus hat gerade eine „Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland“ beklagt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Sternberg: In einem Punkt hat der Papst selbstverständlich Recht: Wir sind nicht nur zahlenmäßig weniger geworden in Deutschland, auch unsere Kirchen sind leerer. Das ist aber keine rein deutsche Erscheinung. Das gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Es ist eine große Aufgabe für alle Christen, nach überzeugenden Wegen zu suchen, wie sie die Freude am Evangelium weitergeben können.

„Die Glocke“:  Wie kann man in einem radikal veränderten gesellschaftlichem Umfeld die kirchliche Stimme vernehmbarer machen?

Sternberg: Indem man nicht triumphalistisch, nicht besserwisserisch auftritt, sondern mit persönlicher und innerlicher Überzeugungskraft gute Argumente vorträgt.

„Die Glocke“:  Ob Zölibat oder Kommunion für wieder verheiratete Geschiedene – das ZdK vertritt in mancher Hinsicht liberalere Positionen als die Amtskirche. Werden Sie auf Konfliktkurs gehen?

Sternberg: Ich habe noch nie viel von dem Begriff Amtskirche gehalten. Ich glaube, dass wir gemeinsam Kirche sind und dass wir gemeinsam die Probleme zu lösen haben. Dass die Frage der vollen Teilhabe von wiederverheirateten Geschiedenen am Leben der Kirche ein großes Problem ist, das wird heute jeder unterschreiben – egal, ob er eher eine liberalen oder eine konservative Linie vertritt. Wir im ZdK sind überzeugt, dass die Kirche hier neue Wege gehen muss.

Kann sich Thomas Sternberg auch weibliche Priester vorstellen? Wie will er den Dialog mit dem Islam führen? Und wie beurteilt er den Stand der Ökumene? Antworten auf diese Fragen finden Sie in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“.

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