„Klinikschließungen gefährden Versorgung“
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Allein auf dem Krankenhaus-Flur: Die Einsparungen der Krankenhäuser machen sich bereits jetzt bei der Versorgung der Patienten bemerkbar, sagt ÄKWL- Präsident Dr. Theodor Windhorst.
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Der Chef der größten Krankenkasse Barmer GEK, Christoph Straub, sagte nun einer Zeitung: „Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten. Wir leisten uns Strukturen, die größer und teurer sind als in anderen Ländern.“

Straub sprach sich außerdem dagegen aus, den Krankenhäusern den Sparbeitrag aus der Gesundheitsreform zu erlassen. „Es ist nicht sinnvoll, die Sparmaßnahmen im Krankenhausbereich zurückzunehmen und teure Krankenhausstrukturen einfach aufrechtzuerhalten.“ Das traditionelle Nebeneinander von Krankenhäusern und Arztpraxen müsse sich ändern. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung solle viel häufiger ambulant erfolgen oder während kurzer Aufenthalte im Krankenhaus.

Hohe Arbeitsverdichtung

Dr. Theodor Windhorst
„Die Forderung nach Klinikschließungen ist nicht nur der Todesstoß für die stationäre Versorgung, sondern sie gefährdet die gesamte, also auch die ambulante Patientenversorgung“, meint dazu der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, hin.

Die Arbeitsverdichtung in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern werde immer höher und die Belastungen für das Klinikpersonal stiegen ständig.

Windhorst warnt davor, dass „einige Häuser kurz vor dem Burnout stehen“, zumal es in Nordrhein-Westfalen in den über 400 Kliniken etwa 1500 nicht besetzte Stellen gibt. Die im vergangenen Jahr überstandene Ehec-Epidemie hätte gezeigt, dass die Kliniken an ihre strukturellen und personellen Leistungsgrenzen gestoßen seien.

Keine Spielräume für weitere Einsparungen

Die Patienten-Fallzahl ist bundesweit in den letzten zehn Jahren um circa eine Million auf 18 Millionen gestiegen, die Verweildauer der Patienten in diesem Zeitraum von etwa zehn auf knapp acht Tage gesunken. In NRW wurden im vergangenen Jahr mehr als 4,1 Millionen Patienten stationär behandelt.

Windhorst kritisiert zudem die unzureichende Finanzausstattung der Krankenhäuser. Hier seien keinerlei Spielräume mehr vorhanden, um den Kliniken weitere Sparmaßnahmen zu verordnen. „Wer das fordert, nimmt Kliniksterben billigend in Kauf.“

Eine qualitativ hochstehende Versorgung im stationären Sektor benötige auch eine ordentliche Vergütung und finanzielle Ausstattung für die Häuser. Aber die Kliniken steckten weiterhin in ihrem alten Finanzkorsett. Dabei müsste dieses dringend gelockert werden, denn den Häusern bleibt keine Luft mehr. Immer weniger Häuser müssten immer mehr Operationen und Behandlungen bewältigen.

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