Kohlekraftwerk in Hamm geht vom Netz
Das erst 2014 fertiggestellte Steinkohlekraftwerk „Westfalen“ in Hamm geht zum 31. Dezember vom Netz. 166 Mitarbeiter sind betroffen. Es soll aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Die Betreiber der elf Anlagen bekommen Entschädigungen von insgesamt 317 Millionen Euro. Davon erhält allein Deutschlands größter Stromerzeuger RWE 216 Millionen Euro. Im Rahmen der Stilllegungsauktion zum Zuge gekommen sind auch die Energiekonzerne Vattenfall, Uniper und Steag - aber auch für mehrere kleine Kraftwerke auf Firmengeländen gibt es Geld.

Pannenkraftwerk bundesweit in Schlagzeilen

In Hamm sind von der Stilllegung 166 Mitarbeiter betroffen. Es soll nach Angaben von RWE keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Baukosten des Kraftwerks betrugen 2,4 Milliarden Euro. Das Kraftwerk „Westfalen“ macht durch eine Pannenserie bundesweit Schlagzeilen. 2,4 Milliarden Euro wurden ab 2008 in zwei Kraftwerksblöcke investiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) legte am 29. August 2008 den Grundstein. Durch einen Bedienungsfehler wurden Block D gegen Ende der Bauphase im Jahr 2013 so schwer beschädigt, dass er nie ans Netz ging.

Altmaier erfreut

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) äußerte sich erfreut über das Ergebnis der Ausschreibung. Jetzt sei es amtlich: "Noch in diesem Jahr gehen wie geplant Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 4 Gigawatt vom Netz." Die große Beteiligung an der Auktion zeige, "dass es einen echten Wettbewerb unter den Bietern gab". Laut Bundesnetzagentur war die Nachfrage höher als die angebotenen Menge. In den kommenden Jahren sind weitere Auktionen geplant. Ab 2027 wird grundsätzlich nicht mehr entschädigt.

Kritiker bemängeln, dass die Stromkonzerne Geld für Anlagen erhalten, die nicht mehr rentabel seien. "Die meisten der Kohlekraftwerke, die jetzt einen Zuschlag für die Stilllegung bekommen haben, wären zeitnah auch alleine aus dem Markt gegangen", sagte der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. Die abgeschriebenen Anlagen seien "noch einmal zu Geld gemacht" worden. Die Betreiber erhalten zwischen rund 6000 und 150.000 Euro je abgeschaltetem Megawatt Kraftwerksleistung.

RWE erzeugt in Deutschland keinen Steinkohlestrom mehr

Der Energiekonzern RWE nimmt neben Hamm-Uentrop auch sein Kraftwerk in Ibbenbüren vom Netz. Der Konzern wird dann in Deutschland keinen Strom aus Steinkohle mehr erzeugen, sagte ein Sprecher.

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