Komapatientin vergewaltigt: Anklage
Vor Gericht verantworten muss sich ein Pfleger (28), der drei wehrlose Patientinnen (66, 73 und 82) vergewaltigt und missbraucht haben soll.

Die Opfer waren zwischen 66 und 82 Jahre alt. Unter ihnen sei eine 73 Jahre alte Wachkoma-Patientin, sagte der Sprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Horst Rürup, am Dienstag. Der 28-Jährige sei voll geständig. Es geht um 14 Fälle.

Der 28-Jährige soll die Taten zwischen Dezember 2007 und Dezember 2010 als Pfleger am Medizinischen Zentrum für Gesundheit in Bad Lippspringe begangen haben. Er ist nicht vorbestraft und Familienvater. Zwei der Opfer hatten sich entgegen der Erwartung des Täters in einzelnen Fällen etwas gewehrt. So sei die 73-Jährige plötzlich kurzzeitig aus dem Koma erwacht. Eine 82-Jährige, die unter Demenz leide, habe ihren Angehörigen eines Tages berichtet, dass der Pfleger sich an ihr vergangen habe. Ende Dezember 2010 hatte die Klinik die Tat an der 82-jährigen Patientin angezeigt. Nachdem der verdächtigte Pfleger die Tat zunächst geleugnet hatte, legte er Anfang 2011 ein Geständnis ab und räumte weitere Taten ein. Das Medizinische Zentrum hat den Mann entlassen.

Gutachten belastet 28-jährigen Angeklagten

Im Mittelpunkt des Prozesses dürfte die Frage stehen, ob die Taten des Mannes auf eine Erkrankung zurückzuführen sind. Ist der 28-Jährige krankhaft "gerontophil", also sexuell auf sehr alte Menschen fixiert, wäre dadurch seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt. Eine Schuldminderung könnte die Folge sein. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass Gerontophilie bei dem Beschuldigten nicht vorliegt, sagte Rürup. So habe der Mann normalen sexuellen Verkehr mit seiner Ehefrau gehabt. Im Zuge der Ermittlungen waren weitere Verdachtsfälle aufgetaucht, die bis ins Jahr 2002 zurückreichen. Schon während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger in einer Klinik in Marsberg im Hochsauerlandkreis soll es zu ersten Versuchen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft Paderborn ermittelt. Ein Prozesstermin am Landgericht steht noch nicht fest.

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