Kommission untersucht Video-Affäre
Foto: Bredenhöller
Was bringt die Zukunft für das NRW-Landgestüt in Warendorf? Das umstrittene, möglicherweise tierschutzwidrige Training zweier Hengste wird derzeit vom Kreisveterinäramt untersucht. Das Landwirtschaftsministerium setzt jetzt ebenfalls eine Kommission zur Prüfung ein.
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Zur Aufklärung der Vorwürfe angeblich tierschutzwidrigen Trainings soll jetzt eine interne Kommission aus Ministeriumsmitarbeitern ihre Arbeit aufnehmen. Ihr gehören der Leiter des für das Landgestüt zuständigen Fachreferats Martin Hannen, die Leiterin des Tierschutzreferats Dr. Sylvia Heesen, die Landestierschutzbeauftragte Dr. Gerlinde von Dehn sowie der Leiter des Justiziariats Dr. Jörg-Michael Günther an. In die Arbeit soll auch externer Sachverstand einbezogen werden. Welche Fachleute hinzugezogen werden, soll vermutlich an diesem Mittwoch bekannt gegeben werden.

Ministerin rät von Vorverurteilungen ab

 „Alle sind gut beraten, die Ergebnisse der tierschutzrechtlichen Überprüfung des vor Ort zuständigen Veterinäramts sowie der internen Kommission abzuwarten“, erläuterte Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser. Das nordrhein-westfälische Landgestüt Warendorf habe eine Vorbildfunktion in allen Fragen um die Themen Zucht, tiergerechte Haltung und Ausbildung von Pferden, betonte sie. 

Am 13. April hatten mehrere Teilnehmer eines Pferdewirtschaftsmeister-Lehrgangs in Warendorf das Training zweier Hengste unter Anleitung von Gestütsleiterin Kristina Ankerhold gefilmt, weil sie es als tierschutzrelevant eingestuft hatten. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), der die Videos vorlagen, hatte sich deutlich positioniert.

Anzeige gegen Gestütsleiterin wird geprüft

Bei Kreisveterinär Dr. Andreas Witte war am Donnerstag vergangener Woche (Christi Himmelfahrt) eine Anzeige gegen Gestütsleiterin Kristina Ankerhold wegen Nichtbeachtung von Tierschutz und Tierwohl eingegangen. Dies wird dem Ministerium zufolge derzeit vom Kreis Warendorf als zuständiger Behörde umfassend bearbeitet und geprüft. Dazu gehöre auch die Auswertung der vorhandenen Videoaufnahmen. „Die Bewertung des Kreisveterinäramts gilt es abzuwarten“, so Heinen-Esser. Das Ministerium verweist aber auf eine eigene Pressemitteilung, in dem der Vorfall – bereits vor Übergabe aller Videos durch die FN – als grundsätzlich nicht tierschutzrechtlich relevant eingestuft worden war. 

„Ich weiß gar nicht, wie ein Kreisveterinäramt noch frei in seiner Beurteilung sein kann, wenn sich das Ministerium bereits positioniert hat“, kritisierte Norwich Rüße, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.

FDP: Bei Fehlverhalten Konsequenzen nötig

In der „Video-Affäre“ um Gestütsleiterin Kristina Ankerhold und das umstrittene Training zweier Hengste des Landgestüts hat die NRW-FDP gestern klar Position bezogen. Sie will den Fortbestand des Landgestüts in Warendorf als identitätsstiftende Einrichtung für die Region sichern, aber zugleich mögliches Fehlverhalten einzelner Personen strengstens ahnden. Der umweltpolitische Sprecher der FDP, Markus Diekhoff aus Drensteinfurt, erklärte gegenüber der „Glocke“: „Das Landgestüt in Warendorf ist ein wichtiger Bestandteil der Pferdekultur in unserer Region. Mir ist der Fortbestand des Gestüts immer ein besonderes Anliegen gewesen und ist es auch weiterhin.“ 

Er verwies jedoch darauf, dass ein Gestüt des Landes NRW beim Thema Tierschutz im Pferdesport Vorreiter sein müsse. „Gemäß den Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind die kritisierten Trainingsmethoden tierschutzwidrig“, sagte Diekhoff und zitierte aus den Leitlinien: Maßnahmen, die zu einer Hyperflexion des Genicks oder Halses – sogenannte Rollkur – führen, sind tierschutzwidrig, da sie zu erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden bei den betroffenen Pferden führen. 

„Tierschutzwidrige Trainingsmethoden sind abzulehnen“

„Im Sinne des gesamten Reitsports, der von der Liebe und Partnerschaft zum Pferd lebt, sind solche Methoden abzulehnen. Wenn die laufenden Ermittlungen des Ministeriums und der Veterinärbehörden zu dem Ergebnis kommen, dass es sich bei den kritisierten Trainingsmethoden um solche Praktiken handelt, sind personelle Konsequenzen an der Spitze des Landgestüts unausweichlich,“ erklärte Diekhoff.

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