Kraftwerk wird Sonntag gesprengt
Bild: dpa
Kühlturm, Schornstein und Kesselhaus des Kraftwerks Knepper an der Stadtgrenze zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel werden am Sonntag gesprengt. Die Gütersloher Abbruchfirma Hagedorn wird im Einsatz sein.
Bild: dpa

Rund 218 Kilo Sprengstoff sind nötig, um Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein zu Fall zu bringen. Nach zwei Sprengungen werden gut 28.400 Tonnen Stahlschrott und Bauschutt übrig bleiben, wie Tina Gutmann, Sprecherin der Gütersloher Abbruchfirma Hagedorn im Vorfeld erklärte.

Rückbauarbeiten in vollem Gange

Hagedorn hat das 2014 stillgelegte Kraftwerk vor einem Jahr von Eon-Tochter Uniper gekauft und will die Fläche mit einer Größe von 59 Hektar für eine neue Nutzung erschließen. Eine britische Immobilienfirma will das Gelände danach als Gewerbepark vermarkten.

Seit etwa einem Jahr laufen die Rückbauarbeiten: Abrissbagger machten sich an kleineren Gebäude zu schaffen, bedenkliche Stoffe wurden entsorgt, andere Materialien weiterverwertet. Allein die Vorbereitung der Sprengung nahm sechs Monate in Anspruch. Unter anderem wurden hunderte Bohrlöcher für den Sprengstoff gebohrt.

Kippgelenke garantieren Fall zur richtigen Seite

Den Anfang macht am Sonntag gegen 11 Uhr das Kesselhaus. Bevor der zweite, spektakulärere Teil der Sprengung passieren kann, kontrolliert der Sprengmeister gemeinsam mit den Ordnungsbehörden, ob bei der ersten Zündung alles nach Plan gelaufen ist. Rund eine dreiviertel Stunde könne vergehen, bis es erneut knallt: 150 Kilo Sprengstoff im Fuß des Kühlturms sowie 60 Kilo im Schornstein werden dann gezündet.

Zuerst werde der riesige Kühlturm um- und ineinanderfallen. Bis der Schornstein auf dem Boden liegt, können mehr als zehn Sekunden vergehen: „Wir sprengen eine Seite weg, dann kippt er ganz langsam um wie ein Baum“, erklärt Tina Gutmann, Sprecherin von Hagedorn. Dass er zur richtigen Seite kippe, gewährleisten zuvor eingebaute Kippgelenke, auf die der Schornstein sackt.

Straßensperren sollen Schaulustige abhalten

Die etwa 120 Anwohner, die ihre Häuser verlassen müssen, sowie die zahlreichen Einsatzkräfte von THW und Ordnungsbehörden werden die einzigen sein, die das Spektakel aus einer gewissen Nähe betrachten können. Für alle weiteren Schaulustigen gilt: „Es gibt keine Chance das Gelände zu betreten. Es werden weiträumige Straßensperren eingerichtet.“

Die Stadt Castrop-Rauxel rechnet dennoch mit regelrechtem „Sprengungs-Tourismus“, wie eine Sprecherin sagte: Im Internet hätten sich bereits viele Schaulustige verabredet, um aus der Ferne die Sprengung zu beobachten.

Sprengung von 20-geschossigem Hochhaus in Duisburg folgt

Schon fünf Wochen später steht das Ruhrgebiet vor einer weiteren aufsehenerregenden Sprengung: In Duisburg wird am 24. März eines von sechs 20-geschossigen Hochhäusern gesprengt - inmitten dichter Wohnbebauung. Das Verschwinden der in die Jahre gekommenen Wohnblöcke will die Stadt als Aufbruchsignal für den Brennpunkt-Stadtteil verstanden wissen.

Die sogenannten „Weißen Riesen“ im Stadtteil Hochheide stammen aus den frühen 1970er-Jahren. Doch die massiven Hochhäuser entsprächen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen, heißt es in einem Ratsbeschluss.

SOCIAL BOOKMARKS